Pizza – schnödes Fastfood?

Allein schon: Fastfood! Bitteschön!? Das einzig schnelle daran mag die flinke Behändigkeit sein, mit der ein echter Pizzabäcker aus der Teigkugel ein flaches Rund zaubert. Ich denke, dass dieser an sich köstliche Fladen durch die ganzen Pizza Ketten, durch die Zweifuffzich-auffe-Hand-Verkäufe und die geschmacksdesignten Tiefkühlexemplare einen argen Imageschaden erlitten hat.

Wann kommt man schon mal in den Genuss einer richtigen Pizza? Klar, man kann sie selbst herstellen. Man nimmt dann vielleicht Vollkornmehl für den Teig, packt viel und lecker Belag nach eigenem Gusto drauf, nimmt ordentlich vom Lieblingskäse, passt den Schärfegrad optimal an die eigene Schmerzgrenze an und so fort. Das Ergebnis kann man sich, nach meiner Erfahrung, immer gut schmecken lassen. Nur, es hat ja streng genommen nichts mehr mit einer Pizza gemein. Es ist eigentlich eher ein pikanter Hefekuchen oder eine aufgemotzte Auflagenpizza. Bitte nicht falsch verstehen, es schmeckt! Ist eben nur keine Pizza.

Warum ich jetzt und hier so darauf herumreite?- Ganz einfach, diese Gedanken kamen mir, als ich vor einiger Zeit mal eine Pizza serviert bekam, die mich begeistert hat! Diese Pizza, so schoss es mir augenblicklich in den Kopf, diese Pizza, ist genauso, wie das wohl ursprünglich mal vorgesehen war. Ge-nau-so! E´ basta! Bestimmt kennt der ein oder die andere von Ihnen solch ein Gefühl!? Wo und wann haben denn Sie das letzte Mal solch eine Genau-Richtig-Pizza gegessen? – Ach, regelmäßig? Bei Ihrem Lieblingsitaliener um die Ecke? Im letzten Italienurlaub? – Vielleicht ist das wirklich so, dann schätzen Sie sich glücklich! Ich war bisher auch ganz zufrieden hier und meine letzte verklärte Urlaubserinnerung reicht 4 Jahre zurück, bis in die Toskana. Dort wurde uns in einer kleinen Osteria in Quota (kleines Bergdorf ca. 60 km südlich von Florenz) eine einfache, aber sensationell auf den Punkt gebrachte, Pizza serviert.

Doch davon soll hier nicht die Rede sein. Mein Pizzaerlebnis ist noch frisch, hat keine Patina.
Es geschah genau dort, wo man es bestimmt nicht erwartet, im Land der alten Philosophen und Syrtakitänzer, genau dort war ich ihr ausgeliefert. Einer riesigen bewunderungswürdig duftenden Pizza frutti di mare! Ja es war tatsächlich letztens in Griechenland. Hungrig schlenderten wir abends durch die Gassen, bis zuerst meine Nase und dann mein Blick auf ein italienisches Restaurant fiel. Na so was?! Als ich näher hinsah, beobachtete ich, wie sich ganz hinten im Raum jemand an einem großen Steinofen zu schaffen machte. Dadurch war zumindest schon klar, das kann man wagen, hier können wir uns ruhig eine Pizza gönnen, mal Abwechslung von Saganaki und Co.

Drinnen Platz genommen, wurden wir von einem griechischen Kellner freundlich begrüßt und bewirtet. Wir bekamen die Speisekarte auf der in griechisch mit englischer Übersetzung italienische Gerichte aufgeführt waren. Wir entschieden uns schnell für eine Pizza frutti di mare, weil einerseits der Steinofen und dann, so nah am Meer…
Etwas später hatten wir jeder ein riesiges Rad italienischer Pizzakunst vor uns liegen. Natürlich waren wir hin und weg, sonst würde ich diese Zeilen hier nicht schreiben. Natürlich bin ich in die Küche, neugierig bis zur Kragenspitze, wer da wohl am Ofen steht? Umberto Castaldi aus Napoli. Verschmitzt lächelnd nahm er unsere Ovationen entgegen. Dann erfuhren wir mehr. Über seine neapolitanisches Pizzablut, seine Auswanderung zunächst nach Deutschland, Gütersloh und seine gastronomisch Ausbildung in Cuxhaven, weitere Stationen in ganz Europa, alle konnten sie sie genießen, seine italienischen Gerichte. Denn Pizza ist nicht alles, was er mit viel Hingabe und einfachen, guten Naturprodukten in seiner Küche zaubert. Hier sei jetzt Endstation, verriet er uns. Das Klima stimme und die Griechen hier wissen so langsam seine Küche zu schätzen. Hier steht er, auch wenn es draußen über 30°C im Schatten sind, vor einem 400°C heißen Pizzaofen und holt ein Meisterwerk nach dem anderen daraus hervor. Es hat mir großen Spaß gemacht, seine geschickten, flinken Hände bei der Arbeit zu beobachten. Wie eine kleine Choreographie, kein Zögern und kein überflüssiger Handgriff.

So zubereitet, mit frischen, besten, natürlichen Zutaten und Leidenschaft, ist die Pizza alles andere als ungesundes Fastfood.

Ich habe ihn auch nach seinem Wunsch für die Zukunft gefragt und die Antwort kam schnell:“Ich möchte hier bleiben und mite meine Frau diese Restaurante übernehmen. Eine Teile gehört mir schon!“ – Und was könne er sich gar nicht vorstellen, wollte ich noch wissen, auch hier ohne Zögern: „Eine Mikrowelle ine meine Restaurante!“

Ja, Du hast ja so Recht Umberto! Und bestimmt kannst Du das Restaurant schon bald dein eigen nennen, dafür drücken wir dir fest die Daumen! Und hier die Adresse mit meiner uneingeschränkten Empfehlung: Da Cesare, 165 Clavdiou Pepper St. – Rodos 85100 – Griechenland

Jenseits von Gyros

Klingt wie der Titel eines Westerns oder? Einige Parallelen gibt es wohl, von wegen die Guten und die Bösen. Obwohl, ist es wirklich böse, Gyros mit fettigen Pommes zu servieren? Das beurteilt am besten selbst.

Dies hier ist ein kleiner Blogartikel, kein Film, kein Roman und er handelt von einer kulinarischen Spurensuche auf Rhodos. Fernab durchgekauter Gyros-Pommespfade oder hochpreisiger Luxusküchen. Es geht hier um meine ewige, neugierige Suche nach ehrlichen, natürlichen und einfachen Gerichten. Voller Geschmack und Lebensfreude! Es geht um Irrfahrten in die entlegensten Bergdörfer und in die dunkleren Ecken von Rhodos Stadt; um angeregte Gespräche mit und ohne sprachliche Gemeinsamkeiten.

Hier verkünde ich hoffnungsfroh: es gibt sie selbstverständlich auch in Griechenland, die frische, leichte, fleischlose und natürliche Küche! Angefangen bei den Startersalaten, wo schon der Geschmack der Tomaten zusammen mit dem Olivenöl alle Sinne auf´s Äußerste verzückt. Findet man die richtigen Orte, so stellt man fest, dass hier kaum jemand versuchen würde, diese natürlichen Köstlichkeiten unter einer dicken, cremigen Salatsoße zu verbergen.

Weiter geht es mit den Saganaki-Speisen, das sind Leckereien in einem Pfännchen mit Schafskäse und Tomaten überbacken. – Ich korrigiere, das können besagte Leckereien sein.
Mir sind Saganaki-Pfännchen begegnet, da hätt ich mich gleich reinsetzen können. Die typische Saganakimischung waren kleine, frische Tomatenwürfel, viele frische Kräuter, Schafskäse und Olivenöl. Je nach Gericht noch mit Knoblauch und Chili abgeschmeckt. Keine Ähnlichkeit mit der weißgesprenkelten, undefinierbaren, rote Masse, die in unseren hiesigen Hellas-Tempeln, mal Garnelen, mal Schafskäsescheiben unter sich begräbt. An den Originalschauplätzen beherrschen das die entlegensten, einfachsten Tavernas. Ok, die Voraussetzung ist, mutiges verlassen ausgetretener Touristen-Pfade.

Manchmal, wenn etwas gar so raffiniert und lecker ist, empfiehlt es sich, hartnäckig und unbeachtet aller Sprachbarrieren nach dem Rezept zu fragen. So geschehen bei den Zucchinipuffern. Fast kloßartig dick, kross und mit stacheliger Optik lagen sie tiefbraun auf dem Teller. Außen knusprig und innen saftig mit ungewöhnlicher Geschmacksharmonie! Da hielt es mich nicht länger auf dem Tavernenstuhl. Zunächst fragte ich brav bei der Bedienung nach, die dann freundlich hilflos den Chef des Hauses herbei rief: Michalis. Nach ausgiebigem Lob zückte ich erwartungsvoll den Stift und notierte: Zucchini, Zwiebeln, Petersilie, Salz und Pfeffer, Ei und Mehl.– Hm, ist ja irgendwie weder Hexenwerk noch entdeckte ich den Pfiff. Sollte es so einfach sein, lieber Michalis? Ich blieb hartnäckig: ja, in viel Olivenöl, nicht allzu heiß, verriet er und:.. ein Gewürz, griechisch: Diosmos. Weder er noch ich wussten eine englische oder deutsche Übersetzung (= Pfefferminze). Ist also einzig dieses Kraut verantwortlich für das kleine Geschmacksfeuerwerk? Herausgeschmeckt habe ich es jedenfalls nicht.
Etwas später, rief Michalis mich in die Küche und ich konnte sie kennenlernen, die Urheberin meiner auserwählten Köstlichkeit: Irena, die Köchin. Lächelnd entsaftete sie gerade die geriebenen Zucchinistreifen. Sie sprach sogar ein wenig deutsch und so nahmen die Puffer mit jedem Arbeitsschritt endlich Geschmack an, auch in meinen Notizen. Vor allem spürte ich, dass sie die wichtigste Zutat bereits in sich trug, die Freude an den Produkten, der Zubereitung und auch daran, ihr Rezept mit mir zu teilen.

Zucchinipuffer - Michalis - Irena Neugierig? Hier die Adresse: Restaurant Metaxy mas – Ouzeri – Kleine Pepperstreet 113-115, Rhodos-Stadt

In loser Folge gibt’s hier weitere kulinarische Reisegeschichten. Wir lesen uns!

Endlich, Euer Bärlauch(t)

Bärlauch Das wurde aber mal wieder Zeit jetzt! Geht es Euch auch so?  Das erste heimische Grün und schon kommt ein frühlingsfröhliches Küchengefühl in mir hoch! Rezepte werden gesucht, nicht gefunden und neu kreiert. Bärlauchpesto, dazu Nudeln, fertig ist das Frühlingsglück! So schnell, so grün, so glücklich! Der Bärlauch, Allium Ursinum: in feuchten Laubwäldern ist er zu finden, besonders auf kalkhaltigen Böden oder auf den Wochenmärkten.auch Bärlauch Im April, die ersten Bärlauchblätter sind die Besten! Außer seinem feinen Knoblauchgeschmack bringt er noch jede Menge Lauchöl, Flavonoide, Biokatalysatoren, Fructosane und viel Vitamin C mit. Also am besten frisch genießen! Ganz einfach zum Beispiel, ein-zwei Blätter auf´s Brot und Käse drauf oder gehackt auf Frischkäse.
Oder etwas aufwändiger, das oben erwähnte Bärlauchpesto mit Nudeln: 2 Bund Bärlauch, 4 El gehackte Mandeln, 100g geriebenen Parmesankäse, ¼l Olivenöl, etwas Meersalz. Alle Zutaten in ein hohes Gefäß geben und pestare (zerquetschen), mit dem Zauberstab oder klassisch, in einem Mörser. Für die gewünschte Konsistenz zum Schluss einige Esslöffel vom Nudelkochwasser einrühren.

Adult-Muffins für Kuchenmuffel…

…scharf und hochprozentig, so schmeckt das auch!
Ein regelrechter Kuchenmuffel bin ich. Was die meisten in Ekstase versetzt, kann mich nicht von meinem Käsebrot trennen. Torten, Kuchen, Kekse, Desserts und Co akzeptiere ich breitwillig, nicht weniger aber auch nicht mehr. Doch in diesen Zeiten, in denen es erlaubt ist, geradezu Trend ist, die Schokolade auch wieder mit Kakao herzustellen, da werde ich aufmerksam. Die Regale sind gefüllt mit hochklassigen und hochprozentigen Schokoladen und man besinnt sich auf die alten Werte der Kakaobohne zurück. Sie nimmt ihren prominenten Platz in der Schokolade ein und erfolgreich drängt sie Zucker und Milch wieder auf ihre Nebenschauplätze zurück. So richtig entflammt bin ich dann durch die Beimischung von Chili in die Schokolade! Von wegen neumodischer Kram, schon die Azteken schätzten diese explosive Mischung von Kakao und Chili. Da bin ich doch mit dabei! Flugs habe ich ein allgemein gültiges Schokomuffin-Rezept etwas abgewandelt, mit zerhackten, getrockneten Chilischoten versetzt und statt Milch, gleich einen kräftigen, trockenen Rotwein genommen. Und bester Schokolade –klar!
Bestimmt bin ich nicht die Erste, aber ich bin begeistert!!!

Dankeschön Herr Rach!

Genugda isst…
…auch ab und zu schon mal auf Gourmet Niveau!
Draußen essen, nicht selber kochen. Das ist fein! Da gibt es in meiner Umgebung so drei bis vier Adressen, wo ich, je nach Lust und Gelegenheit, weiß was mich erwartet: Qualität und guter Service, dazu ein passendes Ambiente und stimmige Preise.
Doch ab und zu da fühle ich mich plötzlich und aus heiterem (Werbe)Himmel berufen, einmal etwas hoch Anspruchsvolles zu verkosten. Eben auf Gourmet Niveau. Für mich eine Region, in der ich nicht zu Hause bin. Bin eher ein Freund der puristischen, meist heimischen Küche, mit wenigen aber ehrlichen Zutaten und Portionen. So die Richtung: Pellkartoffel mit Butter und Meersalz. Darauf hebe ich ab, sinnlich verklärt; die Zunge tanzt, der Gaumen tost!
Meine bisherigen Ausflüge in die gehobene Gastronomie kann ich an beiden Händen abzählen. Nicht immer fühlte ich mich richtig wohl und gut aufgehoben und nicht immer konnte der Geschmack der Gerichte über die sparsame Portionierung hinwegtrösten.
Doch gestern hat alles gestimmt, ich sage nur: Genuss und Elbblick!
Selten, dass mal nix zu meckern gibt, oder? Na eben. Deshalb: Hochpreisig, doch das gehört wohl so! Professionell und trotzdem unangestrengt! Kreativ, doch nicht gewollt und bemüht. Eine Geschmacksexplosion jagte die andere, von der auf-den-Punkt-Langustine über die bretonsiche Scholle, bis hin zum Kokoseis, grosses Küchenkino!

wachsweich gekochte Eier

Vor einigen Wochen ging es bei mir um das Sonntagsfrühstück. Klar, das ich darin auch das klassische Frühstücksei erwähnt habe. Nun muß ich feststellen, das das Schlagwort „weichgekochtes Ei“ dazu führte, dass immer wieder Suchende auf meinen Blog kamen. Was haben Sie gesucht? Das weichgekochte Ei an sich? Wohl kaum! – Vielleicht das ultimative Rezept für ein sicher weichgekochtes Sonntagsfrühstücksei? – Schon eher!

Vielleicht können ja meine Lebenserfahrungen etwas konstruktives zu diesem Thema beitragen. Denn auch mir gelingt es erst seit cirka fünf Jahren, verlässlich weichgekochte, wachsweichgekochte, unanständig weiche und harte Eier zu kochen. Letzteres ist keine Herausforderung, zugegeben. Auch diejenigen, die das Weiße noch leicht angeglibbert mögen, sind recht einfach zu bedienen. Am Schwierigsten ist es wohl, das Eiweiß hart und das Eigelb wachsweich, also außen leicht angehärtet und innen noch flüssig zerlaufend, hinzukreigen.
Der erste Schritt zum Durchbruch auf meinen Weg zur perfekten Eierkocherin war, meinen elektronischen Eierkocher zu entsorgen. Aber der Reihe nach. Zuerst war ich nur eine mäßige, eher nachlässige Eierkocherin. Im Laufe der Zeit hatte ich dann so zwei bis drei Generationen Eierkocher im Gebrauch und festgestellt, dass es damit auch nicht zuverlässiger klappt. Versiert im Umgang mit diesen elektronischen Helfern habe ich natürlich versucht, die vorgegebene Wassermenge, durch minimalstes Über- oder Unterschreiten, der jeweiligen Eiergröße genau anzupassen. Doch oft genug wurden es trotzdem einfach nur Überraschungseier. Als ich dann irgendwann genervt den Eierkocher in den E-Müll schmiss, war ich wieder ganz auf mich allein gestellt.

„Aber ich habe doch das Maß genau für zwei Eier, mittel, mit Wasser….!“ – Solche Ausreden gab es nun nicht mehr. Ein kleiner Emailletopf, etwas Wasser, eine sekundengenaue Uhr, die Eier und ich. Das war von nun an das sonntägliche Gewinner-Team! Nicht sofort, aber schon bald! Das Geheimnis? Es fängt mit den Eiern an.

Eine perfekte Schule sind Eier, direkt vom guten Hühnerhalter. Eier, wie gelegt. Nix mit, sortiert nach Grösse S, M, oder L! Keine künstlichen Tagesverlängerung und ähnliche unlautere Mittel! Sind die Hühner-Damen jung, ist es kalt draußen oder stört sie ein kreisender Habicht in ihrer Legeruhe, sind die Eier eben kleiner; stimmen Klima, Alter und Laune, so gibt es auch mal ein XXL. Durch diese Wechselgrössen bekommt man natürlich Übung und ein genaues Gespür dafür, wie lange sie kochen müssen. Manchmal gebe ich z.B. vier unterschiedlich große Eier zu vier unterschiedlichen Zeiten in das kochende Wasser, so dass ich dann, nach Ablauf von sechs Minuten, die ein mittelgroßes Ei benötigt. alle Eier im absolut gleichen wachsweichen Zustand servieren kann. Ob das immer klappt? Schon, aber nur, wenn ich die ganze Zeit auch bei den Eiern bleibe. Ich verlasse die Küche nicht, nehme keine Telefonate entgegen und bin mit meiner Aufmerksamkeit ganz bei den Eiern. Sind wir das den Hühnern nicht sowieso schuldig?

Ode an die Rote Bete

Meine Beziehung zur Roten Bete geht über ein gutes, normales, kulinarisches Empfinden hinaus. Eindeutig.
Die Saat säte mitten in den Achtzigern, Tom Robbins mit seinem hinreißenden Roman „PanAroma“. Es war wohl damals eher eine intellektuell, spirituelle Bewunderung, verbunden mit einem unersättlichen Lebenshunger. Ich glaube mich erinnern zu können, dass ich mir damals ein paar Rote Bete kaufte, nur um sie mal anzufühlen und vor allem sie zu riechen!

Jahre vergingen und die Rübe spielte nur noch eine recht untergeordnete Rolle in meinem Leben. Wenn, dann meist in Scheibenform aus Omis Einmachgläsern oder geriffelt aus dem Kühne-Regal.
Aber, seit einigen Jahren, rückt sie bei mir wieder mehr in den Vordergrund.
Zwar eher pragmatisch, aber ein Hauch von Sinnlichkeit ist immer dabei.
Hocherfreut war ich, als ich das Kapitel über Rote Bete in Edward Espe Browns „Das Lächeln der Radieschen“ las. Es war eine Wonne, diese Zeilen zu lesen! „Eines der Nahrungsmittel, die mir beistehen, ist die rote Bete.“ Heißt es da gleich zu Beginn des Kapitels. Schon hatte ich dieses wohlige Gefühl, da schreibt einer, der dieses Gemüse versteht, mit der Seele versteht!
Noch am gleichen Tag probierte ich eines seiner Rote Bete-Rezepte mit Cranberries. Ja, so schmecken sie auch, die blutroten Erdrüben. Sein Rezept habe ich ein wenig an meinen Geschmack angepasst. Die getrockneten Tomaten ließ ich weg, dafür kam etwas Orangensaft hinzu. Am besten einmal selbst ausprobieren.

Hier noch ein Haiku, eine Stunde nach dem Genuss von Roter Bete geschrieben:

rote Erde feucht
dunkel, blutig, beruhigend
nährt stille Schönheit

weiter östlich – auch köstlich

Fischland-Darß-Zingst im November 2008
oder: Butterfisch und Silbermond

Eiweißreich war es. Fischig. Zwei Tage auf der wunderschönen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.
Butterfisch war neu für mich. Gedünstet und an, in oder mit einer Safransoße (Safranmenge genau richtig!) serviert, war das lecker, lecker, lecker! In loser Folge wurden in diesen Tagen noch Rächerlachs, gegrillter Lachs, Dill-Heringshappen und Seelachs in einer Roquefortkäsesoße serviert, gegessen und für äußerst schmackhaft befunden. Glanzpunkt auf der Zunge war jedoch zweifellos und sternelos die einfache Fischsuppe in einem gutbürgerlichen Gasthaus. Da stimmte alles, guter Fond, sehr gute Einlage! Mit dabei: ungewaschener Fischer und schwarzer Bitter. Ist doch nett: ein Anekdötchen, ein Likörchen, …
-Ja, klar gab´s auch was zu meckern in Meck-Pom, aber das verliert minütlich an Kontour in meiner Erinnerung. Verankert in Geist und Gefühl bleibt die Vollmondnacht, das silbrig glitzernde Meer, die Spaziergänge am sonnigen, langen, weißen Sandstrand, durch knorzige Wälder und durch jede Menge Boddenlanschaft. Vereinzelt noch trotziges buntes Laub an den Ästen vor kitschig blauem Himmel! Seeluft, die jeden Atemzug zur Kur-Anwendung macht. So war mein kleiner Novemberurlaub!
Ach und falls es noch interessiert, heute gibt es bei uns Penne all’ arrabbiata. Mein Körper sehnt sich jetzt  nach einer Portion Kohlenhydrate.

Reste, ganz in Gedanken – Resteessengedanken

Ein klassisches Resteessen. Naheliegend. Einfach. Schnell zubereitet. Meistens in der Pfanne mit Eiern aufgepeppt und fast immer einen Schlag fettiger als das Original.
Grundlage sind oft die Beilagen: Kartoffeln, Nudeln, Reis, Klöße oder Polenta, alles bestens geeignet für eine kreative Zubereitung in der Pfanne. Beseelt von unendlicher Toleranz nehmen sie so ziemlich alles auf und an, was man ihnen dazugibt.

„Wofür sie besonders schwärmt, wenn er wieder aufgewärmt….“ bekannt? Tja die gute alte Witwe Bolte mit ihrem Sauerkohl. Dabei schmeckt Sauerkraut, zu Tode gekocht, zum abgewöhnen und von den Nährstoffen ist es ebenfalls erfolgreich befreit. Daher: nicht länger als zwanzig Minuten!
Oft behauptet und dadurch nicht leckerer: Gemüseeintöpfe schmecken mit jedem Aufwärmen besser, das heißt also je zerkochter das arme Gemüse desto lecker? Totkochen mag beim Hummer vonnöten sein, doch Grünkohl und Co mögen es da eher dezent und meine Geschmacksnerven auch. Gemüse ist also kein geeignetes Resteessen.

Dann gibt es noch das hartnäckige Küchengerücht, welches einem bei jedem Wiederaufwärmen von Pilzen und Spinat die Atemfrequenz erhöht: darf ich – oder besser nicht? Giftig oder nur so ein bisschen schädlich? Macht nur! Was nicht so prickelnd ist, ist das Warmhalten oder zu langes Herumstehen bei Zimmertemperatur. Denn das mögen die Bakterien und der Spinatnitrat wird so schneller zu Nitrit und das ist, genau wie eine vermehrte Bakterienkultur in den Pilzen, eher ungünstig für die Gesundheit. Also fix abkühlen, kühl aufbewahren und dann schnell einmal über 70 Grad erhitzen.

Sonntagsfrühstück

Ist das bei Euch allen so? Bei den meisten? Nur noch bei einigen? Ich meine, dieses typische Sonntagsfrühstück, mit den drei Komponenten:

1. es findet spät statt oder einfach nur später im Vergleich zu den Frühstückszeiten in der Woche
2. es gibt Ei (Rührei, weichgekochtes Ei, wachsweichgekochtes Ei, …)
3. es dauert länger oder einfach länger nur im Vergleich mit einem Frühstück in der Woche

An dieser Stelle sei gesagt, alle drei Komponenten treffen auf mich zu und, -ich geniiiieße es: Wachswarmweiches Eigelb und froh sein darüber, dass der Partner das Ei nicht mit dem Messer köpft (krrrrrrtsch… buaaa!), Brötchenkrümmel auf der dicken Wochenendausgabe, leichte Marmeladenspuren auf der Butter, Käsesorten zur freien Auswahl und die schwarze Johannisbeermarmelade, von Muttern genau so gemacht, wie es besser nicht geht!
Etwas später, die zweite Kanne Kaffee ist aufgesetzt, ein angenehmes Bauchgefühl und die Gewissheit, immerhin noch einen halben Tag zur freien Gestaltung vor mir zu haben!

der große Kürbis

Hui-buuh – passend zu Halloween (Reformationstag?) habe ich eine Kürbissuppe gekocht und gegessen! Gääähnn! Nein, wirklich gar nicht langweilig!! Zum verlieben, zum wegschmeißen!! Ich weiß nicht, wie viele Kürbissuppen ich schon gekocht habe. Ganz viele, bestimmt! Immer variiert, meistens lecker, mal mit Mango, mit Möhrchen, mit Kartoffeln oder ohne, mal mit Orange und /oder Ingwer, garniert mit Sahne, geschlagen, ungeschlagen, mit aufgeschäumter Milch, mit steiermarkschen Kürbiskernöl, mit gerösteten Kürbiskernen und mit nichts, wie heute. War so hin und weg, dass ich gar nicht auf die Idee kam noch irgendetwas daran zu verbessern, nur nicht ablenken vom guten Geschmack! Bestimmt schlummern auch noch unzählige Rezepte in meinen digitalen und analogen Archiven. Aber- und ich sage dies hier und ehrlich, so eine leckre Kürbissuppe wie heute habe ich noch nie gekocht und- auch noch nie irgendwo fremdgegessen!

Ich denke, dass lag hauptsächlich am Kürbis selbst. Es war ein wunderschöner Bio-Buttercup-Kürbis. Zur rechten Zeit geerntet, gekauft und verarbeitet. Eine Zwiebel in halb Öl, halb Butter angedünstet, den Kürbis hineinwürfeln sowie zwei daumengroße, geschälte Ingwerstücke. Mit dem Saft einer halben Orange ablöschen, 1 Tl Honig dazu geben. Ungefähr einen halbe Liter Brühe hinein und den Kürbis weich kochen. Pürieren (VORHER die beiden Ingwerstückchen heraus fischen!) und mit Augenmaß Milch hinzugeben, sowie noch etwas Brühe, so dass die Konsistenz nicht zu breiig ist. Soll ja schließlich eine Suppe sein. Eine kleine Prise Meersalz und fertig war das kleine Wunderwerk.