Orange: lecker, hinreißend, gute Laune!

สีส้ม – Ja, so sieht das aus zur Zeit. Ich sehe nicht rot, ich seh´ orange! Ich liebe diese Farbe! Meine Fußnägel glänzen bereits in schönstem Orange und eine orangene Sonnenbrille habe ich auf dem letzten Night Bazar in Chiang Mai erstanden. Weitere Accessoires folg(t)en. Aber ich will Euch nicht so sehr mit intimen Details langweilen.

Rein kulinarisch gesehen ist orange ja auch wirklich der Bringer! Schaut Euch nur diese wundervolle Papaya an. Sich an leicht gekühlter Papaya sattessen, das ist fantastisch! Diese Papaya hier ist mindestens so groß wie ein Baseball, hatte auch ungefähr die Form.

Weiter unten seht ihr meine absolute Lieblingssuppe hier in Nordthailand, die Khao Soi. Ich habe sie Euch bereits im Artikel “Khao Soi, lecker Süppchen” genau beschrieben. Wenn sie gut gemacht ist, dann hat diese Suppe einfach alles und das in perfekter Harmonie: Haptisch, im Mund, ist alles dabei, von crispy, flüssig, weich und etwas fester. Geschmacklich auch,  salzig, süß, scharf und sauer, für mich, perfekt.  

Schon in Deutschland konnte ich mich nicht sattsehen, bzw. –essen. Z.B. wenn ich eine Möhren-Kokos-Orangen-Suppe zubereitet habe. Mit einem Hauch von  Ingwer und Safran. Oder eine Hokkaido-Orangen-Ingwer-Suppe! Hach, orange ist einfach umwerfend! Himmelhochjauchzend! Ist wie die Sonne, die morgens als orangene Scheibe über die Bergkuppen Nordthailands aufsteigt, wie die orangenen Kutten der Mönche, die vormittags durch die Gassen huschen und ihre Gaben einsammeln. – Aber nun genug geschwärmt, findet Euer eigenes Orange! – Viel Spaß dabei!


Happy new (chinese) year! The Year of the snake!

Ein frohes, neues (chinesisches) Jahr! Das Drachenjahr wird zum Schlangenjahr! Weisheit und Schönheit verkörpert die Schlange in Asien, kann aber auch gelegentlich für gute bis böse Überraschungen sorgen. Also fast wie jedes Jahr: alles ist möglich, wie schön!

Das chinesische, neue Jahr wird immer am ersten Neumond, nachdem  die Sonne in das Sternbild des Wassermanns eintritt, gefeiert. Dieses Jahr ist das vom 9. auf den 10. Februar der Fall gewesen.

Hier im chinesischen Viertel in Chiang Mai, Thailand, sieht man vor allen Dingen Rot! Es wird viel gegessen, was nicht weiter verwundert, denn Essen ist und bleibt nun mal ein vorrangiges Thema hier. Dim Sums dürfen genau so wenig fehlen, wie die chinesischen Glückskuchen. Das ist eine schwerwiegende, runde Köstlichkeit mit unterschiedlichsten Füllungen im Blätterteigmantel. Die Sorten, die ich bisher probiert habe, waren erstaunlich lecker und nie zu süß. (Dies ist ein Urteil von jemandem, der nicht gerade auf Süßes Zeugs steht.)

Klar, außer Essen ist da noch jede Menge Knallerei, von wegen Geister vertreiben und so! Ähnlich, wie man es an diesem Wochenende ja auch in Deutschland mit diversen Masken und kollektiven Verhaltensauffälligkeiten versucht.

Dies ist nun das zweite Mal in kurzem Zeitraum, dass wir ein neues Jahr begrüßen und ich weiß, es wird noch nicht der letzte Jahreswechsel sein. Im April wartet das thailändische Jahr 2556, Sonkran, auf uns.

 


 

Loi Krathong in Chiang Mai

Zunächst etwas Basiswissen über das thailändische Loi Krathong Fest, auch Loy Krathong, ลอยกระทง, das Lichterfest. Es wird jedes Jahr bei Vollmond im 12. Monat des thailändischen Lunisolarkalenders, das ist bei uns der November, gefeiert. Natürlich wird nicht nur am Vollmondtag selbst gefeiert, sondern mindestens einen Tag vorher und einen danach. Bei wichtigen Festtagen in Thailand sind drei Tage als Feiertage schon notwendig.

Seinen Ursprung hat dieses Fest im Hinduismus. „Loi“ heißt schwimmen und „Krathong“ ist eine Art kleines Floß. Diese, meistens selbstgebastelten und liebevoll geschmückten, Flöße werden mit Kerzen und Räucherstäbchen auf einen Fluss gesetzt. Aller Groll und Ärger wird damit losgelassen. Wie schön!
Alles was man für solch ein Schiffchen benötigt, liefert die Bananenpflanze. Die Scheibe aus dem Stamm ist superleicht und schwimmt perfekt. Aus den schönen Bananenblättern werden kleine Blattabschnitte zurechtgeschnitten, gefaltet und festgesteckt. Abschließend wird das Ganze noch mit Blüten geschmückt.

 


 
Viele Lichter, Fackeln, kleine Heißluftballons (Khom Loi) und Feuerwerk begleiten dieses Festival. Kaum ein Haus, dass nicht mit Laternen und Fackeln beleuchtet ist an diesem Abend. Auf den Dörfern werden die Fackeln, ebenso wie die Krathongs, selbst hergestellt, mit den kleinen Aufputschgetränke-Fläschchen, die sich in Thailand so großer Beliebtheit erfreuen. Sie werden mit Petroleum gefüllt, ein Filz wird hineingehängt und durch den Deckel gezogen. So säumen viele Lichter die Dorfstraßen.


 
In Chiang Mai und Ayutthaya wird Loy Krathong besonders aufwändig gefeiert. Es gibt festlich geschmückte Umzüge am Abend, mit Tänzern, Trommlern, Phantasiegestalten und
nachgebildeten Göttergestalten. Nicht nötig zu erwähnen, dass an diesen Tagen wieder ausgiebigst gegessen und getrunken wird. Kein Meter ohne Nahrungsangebot: köstliche Suppen, hunderte verschiedene Grillspieße, frittierte Fish-Cakes, Eier, Garnelen und Kartoffelspieße, frisch gebratenes Pad Thai (bekanntes Bratnudelgericht in Nordthailand) und Reisgerichte. Ach und noch so vieles mehr! Hier verhungert man höchstens, weil man sich nicht entscheiden kann, was man nehmen soll.

 

Schon Tage zuvor scheint die Bevölkerung aufgeräumter zu sein als sonst. Viele Häuser werden mit bunten Papierlaternen geschmückt. Wer, wann, was zu essen macht oder wo man isst, wird im Vorwege sorgfältig diskutiert und geplant, denn es ist auf jeden Fall auch ein Familienfest. In den Tagen davor wird zunehmend mehr und lauter geknallt. Böller und Kanonenschläge, die in Deutschland unter das Waffenschutzgesetz fallen würden, lassen hier noch nicht einmal die Öhrchen unserer halbwüchsigen Kater zucken. Die Gewöhnung daran, liegt wohl mit in den asiatischen Genen.

 

Gestern waren wir in Chiang Mai und haben hunderte, nein tausende von den kleinen Heißluft-ballons langsam aufsteigen sehen. Wir sind durch ein Lichter- und Menschenmeer gefahren und gelaufen. Es war ein faszinierender Abend! Wir standen am Ufer des Ping Rivers und schauten abwechselnd auf die Lichterschiffchen, die mit all dem Groll davon schwammen und auf das Feuerwerk und die Laternen, die den Himmel hoffnungsvoll hell erleuchteten. Was für ein schöner Anblick! Nach einer Weile sahen wir uns an und dachten dasselbe: ja, es wird langsam Zeit mal wieder was zu essen.

Sonntagsausflug, der dritte – sunday, the third

Diesen Sonntagsausflug werde ich Euch nicht vorenthalten. Es fing ganz harmlos an, mit einer kleinen Tour über die Landstraße 1230, im Landkreis Mae On, Nordthailand. Die Sonne schien und kurvig ging es bergauf, wie´s sich gehört. Am Straßenrand und auf der Straße glotzten uns Rinder und Wasserbüffel friedvoll hinterher. Ab und zu, begegneten wir Pilzsammlern auf Fahrrädern und Motorbikes. Weiter oben dann der weise, abgeklärte Blick einer schönen Buddhafigur. Da ist ein “Viewing Point”, und was für eine Aussicht! Bis zu unserem Häuschen und weit darüber hinaus. Wie ich diese Sonntagsausflüge liebe: sanft daher gleiten, den Fahrtwind genießen, abwechselnd staunen und träumen!

“Schau, da vorn ist ein Dorf, Ban Mae Takhrai, sind aber nur ein paar Häuser, ….halt!!! Fahr noch mal zurück!” – Im Vorbeifahren sahen wir ein paar riesige Gestalten gegen den Himmel ragen.
Einstimmig dann beide: “Was – ist – das – denn?” – Gruselige Horrorszenen, Menschen mit verzerrten Gesichtern und Körpern, Blut, Skelette, Folterszenen, riesenlange Zungen, halb Tiere, halb Menschen, begegneten uns dort in z.T. Überlebensgröße. Ich bangte um meine Träume in den nächsten Nächten.
Schaut Euch zum Vergleich den Bagger auf dem Bild, das ist kein Spielzeugbagger!
Natürlich hatten wir nach diesem Ausflug einige Fragen an unsere thailändischen Freunde.
Diese Szenerie soll bei der einfachen Landbevölkerung zur Abschreckung vor bösen Handlungen dienen. In den mit viel Aberglauben und Geisterglauben vermischtem Buddhismus hier, trifft man immer wieder auf unglaubliche Zusammenhänge und Geschichten. Die Figuren sollen zeigen, wer stielt, mordet und hintergeht, dem widerfährt Schreckliches; und zwar in diesem Leben, in der Zwischenzeit bis-, und ganz bestimmt im nächsten Leben. Wer lügt, bekommt hierzulande weder eine lange Nase, noch kurze Beine sondern eine lange Zunge. Fremdgehende Ehefrauen werden nackt auf einen Kaktusbaum gejagt. Was mit untreuen Männern passiert war mal wieder kein Thema. Hier arbeitet man noch hart an der Emanzipation der Frau.

immer wieder sonntags

Fast vergesse ich es einfach. Bemerke ihn gar nicht mehr, den Sonntag. Vorbei sind die Zeiten, an denen es morgens um sieben so sonntäglich ruhig ist. Die Nachbarn sind noch nicht zu hören. Kein Verkehr auf den Straßen. Irgendwann höre ich aus der Ferne Kirchenglocken läuten. Gegen Mittag gibt es dann etwas Verkehr in der ruhigen Straße. Autotüren schlagen zu. Besuch kommt, Begrüßung, Umarmung, Gelächter. Der Duft vom Sonntagsbraten mischt sich mit dem Duft der ersten Pflaumenkuchen die in den Backöfen garen.

Hier in Thailand merke ich es kaum. Der Sonntag ist ein Arbeitstag wie jeder andere. Auf den Märkten herrscht emsiges Treiben. Die großen und kleinen Geschäfte haben geöffnet, die Gärtner beschneiden lautstark ihr Revier.
Den freien Tag in der Woche bekommen sie hier nach Vereinbarung, nicht nach Kalender. Banken und öffentliche Ämter sind davon ausgenommen, doch fallen sie kaum ins sonntägliche Gewicht.

Aber es  gibt zahlreiche Feiertage, an denen die meisten frei haben. Fallen die beweglichen Feiertage auf ein Wochenende, so werden sie direkt am Montag oder Montag und Dienstag
nachgeholt. Hinzu kommen die individuellen Feiertage, wie die Mönchseinweihung des Jüngsten oder der 10. Todestag des Ur-Großvaters.

Trotz allem, ich kann das Sonntagsgefühl nicht abstellen. Ich besitze Kalender und es gibt Freunde in Deutschland, da kann ich sonntags erst ab vier Uhr nachmittags mit Antwort via Skype oder Email rechnen. Geschäftlich geht gar nichts.
Was liegt näher, als die gute Tradition des Sonntagsausfluges aufrecht zu erhalten? Dieses Mal war es ein kleiner Rundgang durchs Dorf bis zum weißen *Chedi. Der Regenschauer war, wie man auf dem Foto sieht, noch weit entfernt. Das kann sich in Windeseile ändern. Es ist Regenzeit in Thailand. Vor dem Regen ist nach dem Regen. Die Luft ist warm, schwer und feucht. Wir durchquerten ein kurzes Waldstück. Aber Hallo: ich hatte das Gefühl, wenn wir stehenbleiben, dann werden wir in zehn Minuten zugewuchert von irgendwelchen Sträuchern und Schlingpflanzen. Man sieht es wachsen, unglaublich! Zudem hatte ich auch noch vergessen mich mit Moskitozeug einzureiben, kurze Hose, Flipflops, nackte Arme, muss ich mehr sagen? – Aber es war ja nur ein kleiner sonntäglicher Rundgang.

* Ein Chedi  ist meistens auf dem Gelände eines Wat (Tempels) zu finden. Es bedeutet eine „Anhäufung“, Ort geistiger Sammlung, Kontemplation und es ist ein Ort der Aufbewahrung von Reliquien Buddhas.

rot auf weiß = Liebesbeweis


Er, sie kommt vielleicht zum ersten Mal zu Besuch? Zum Essen? Ja- ok, Du kannst losrennen und mit der EC-Karte planlos die nächste Feinkostabteilung leerkaufen, kannst einen Koch mieten oder doch lieber zum Essen auswärts einladen. Du kannst hektisch die letzten Jahrgänge der Essen&Trinken Ausgaben durchforsten, um dann aus dem ersten, dicken Kochbuch Dein Standard-Besucher-klappt-immer-Menü zu kochen. Du kannst hier ein paar Austern und dort etwas Champagner kaufen; die besten Rinderfilets und den edelsten Thunfisch der Stadt ausfindig machen; mit Tapir-Fleisch auf Mangospiegel experimentieren, mit Rezepten aus der Molekularküche Spinat als grüne Wolke über den Teller schweben lassen oder gar eigenhändig ein Kaninchen erlegen. Bestimmt fallen Dir da noch mehr Möglichkeiten ein, einer möglichen Katastrophe entgegenzusteuern. Vielleicht denkst Du auch einfach mal über meinen Vorschlag nach:
Koche eine Tomatensoße, dazu Spaghetti, vorweg einen feinen Blattsalat und beim Nachtisch orientiere Dich an Früchte der Saison.

Ich verspreche es, damit kriegst Du alle! Vorausgesetzt es gelingt Dir, Dich ganz der Zubereitung dieser Tomatensoße hinzugeben. Ehrlich und aufrichtig, Heuchelei ist hier fehl am Platze und wird nicht belohnt! Wer etwas versierter in der Küche hantiert, der macht auch die Pasta selbst, allen anderen empfehle ich gute, italienische Spaghetti aus 100% Hartweizen zu kaufen.


Die Vorteile:

Nr.1 kein Stress: im Gegenteil, Du kannst Dich schon bei der Zubereitung meditativ auf Deinen speziellen Gast einstellen.

Nr.2 Hauch von Luxus: statt aus monetären Gründen nur zweitklassigen Champagner, Sommertrüffel und Aquarium-Austern zu servieren, kannst Du, ohne Dich finanziell zu ruinieren, die besten Tomaten, das reinste Olivenöl und eine richtig guten Rotwein dazu kaufen.

Nr.3 Nähe: mit diesem Gericht zauberst Du augenblicklich eine heimelige, intime Atmosphäre. Es gibt wohl kaum ein Gericht, dass so uns nah und vertraut ist, weil es uns schon seit unserer Kindheit in allen Lebenslagen begleitet.

Nr.4 Charakter:
ganz nebenbei trennst Du so die Spreu vom Weizen, die oberflächlichen Blender von den feinfühligen Seelen. Leichte Verstimmung, weil es NUR Spaghetti mit Tomatensoße gibt? Du weißt was Du zu tun hast.

Nr.5 Multitasking: da dies im wahrsten Wortsinne eh kaum jemand beherrscht (selbst Frau nur annähernd), hierbei die Möglichkeit, sich auf alles voll und ganz nacheinander zu konzentrieren: auf die Soße, die Vorfreude, das eigene Outfit, die Tischdeko, den Gast.

Nr.6 Stimmung: da Du bei diesem Vorhaben eher nicht Gefahr läufst, dass Du Zutaten nicht bekommst oder dass Du Dich im zeitlichen nach- und miteinander der einzelnen Zubereitungen verhedderst, ist die Stimmung nach wie vor ungetrübt.

Nr.7 Risiken: -keine!  Ja, so machst Du es Dir leicht, na und? Schon mal was von Vegetariern gehört? Oder von Fleischessern, die aber nichts essen, was so aussieht als käme es vom Tier? Von Kreuzallergien? Laktoseunverträglichkeit? Abneigungen gegen Spinat und Hülsenfrüchte? Gegen Rote Bete und allem was sonst noch auf dem Teller blutet? Muss ich weiter reden?

Nr.8 Individualität:
auch wenn ich nachfolgend mein Rezept vorstelle, das ist mein Rezept, für die einzig wahre Tomatensoße, so heißt das noch lange nicht, dass Du die Soße zubereitest, gerade wie es (zu) Dir passt. Ich bin sicher, dabei wird eine weitere, einzig wahre Tomatensoße entstehen.

Hier das Rezept:

Noch einmal: nicht an der Qualität der Zutaten sparen, ok?

Für die Nudeln: Spaghetti 100% Hartweizen vorher schon mal recht al dente kochen, wenn es keine Selbstgemachten sind und etwas Nudelwasser beim Abgießen zurückbehalten für die Soße. Die Nudeln müssen dann, wenn es losgeht nur noch eine Minute in kochendes Wasser, auf jeden Fall müssen sie zum Schluss noch al dente sein! Unbedingt vorher testen! Zur Not eine Reservepackung bereit halten, denn weich gekochte Nudeln können alles verderben.
Für die Soße:
extra natives Olivenöl
2 Knoblauchzehen (frischer Knoblauch wäre gut!)
1 mittelgroße Zwiebel oder 2 Schalotten
viele aromatische Tomaten (oder falls keine Tomatenzeit, gute Dosenqualität)
etwas getrocknetes Oregano (beste Qualität) oder
etwas mehr frischen Oregano und Basilikum, feingehackt
Meersalz
etwas Rohrohrzucker
Tomatenmark

Für den Salat:

Blattsalat, gern mal etwas Außergewöhnliches, z.B. eine Mischung aus Wildsalaten,
weißer Balsamico, Olivenöl und Pecorino- oder Parmesankäse gehobelt, schwarzer Pfeffer aus der Mühle, Meersalz


Fürs Dessert: Eis geht immer, selbstgemacht, vom Italiener geholt oder gute Qualität aus der Tiefkühltruhe, dazu frische Früchte je nach Jahreszeit. Auch ein Espresso mit Amarettini reicht da völlig aus. Nur nicht den schlichten Charme des Menüs durch ein furchtbar, kompliziertes Dessert zunichte machen.

Schon geht es munter und mit voller Konzentration ans Werk:

Die Zwiebeln, Knoblauchzehen schälen und in kleine, schöne Würfelchen schneiden. Die Würfelchen vom Knoblauch sollten dabei um ein Vielfaches kleiner ausfallen. Die Zehen aber auf keinen Fall quetschen, pressen oder reiben. Erhitze etwas Olivenöl im Lieblingstopf und gib die erlauchten Würfel dort hinein. – Wichtig: keine Röststoffe! Das heißt, immer schön bei Topf bleiben und beobachten. Die Nase drüber, umrühren, lächeln und so fort, bis alles glasig süß gedünstet ist. Nun kommt Tomatenmark ins Spiel. Hinein damit und gleich 1 TL Rohrohrzucker hinterher. Alles sorgfältig verrühren und immer darauf achten, dass es nicht zu heiß wird. Jetzt vom aromatischen Oregano dazu und dann mit dem Schneebesen das Nudelwasser langsam einrühren. Richtig sämig ist sie jetzt schon, die Tomatensoße. Sie brauchen auch kein Mehl, da die Stärke im Nudelwasser völlig ausreicht. Nun geht es zunächst den Tomaten an die Pelle und dann an die Kerne, soviel Zeit muss sein. Die Tomatengeschichte kannst Du handhaben wie Du magst und wie es die Jahreszeit vorschreibt: entweder  jede Menge frische, aromatische Tomaten, eine gute Dosenqualität oder halb und halb. Gib noch Meersalz dazu und die Temperatur so einstellen, dass nichts anbrennt, aber das Sößchen gleichmäßig leicht vor sich hin blubbert. Bei geöffnetem Topf, damit es etwas reduzieren kann.
Eine halbe Stunde oder auch Stunde, gerade solange, wie Du für Dich oder oder die Tisch-Deko benötigen. Aber immer mal ein Auge draufwerfen.

Apropos Tischdeko, alles nach Belieben, da will ich nicht reinreden, aber großen, weißen Stoffservierten wären fein, soviel Luxus muss sein. Denn Blusen und Hemden mit Sommersprossen mag nicht jeder und hektische Flecken-Entfern-Versuche bei Tisch, tragen nicht unbedingt zu einer harmonischen Stimmung bei. Obwohl …

 

Dankeschön Herr Rach!

Genugda isst…
…auch ab und zu schon mal auf Gourmet Niveau!
Draußen essen, nicht selber kochen. Das ist fein! Da gibt es in meiner Umgebung so drei bis vier Adressen, wo ich, je nach Lust und Gelegenheit, weiß was mich erwartet: Qualität und guter Service, dazu ein passendes Ambiente und stimmige Preise.
Doch ab und zu da fühle ich mich plötzlich und aus heiterem (Werbe)Himmel berufen, einmal etwas hoch Anspruchsvolles zu verkosten. Eben auf Gourmet Niveau. Für mich eine Region, in der ich nicht zu Hause bin. Bin eher ein Freund der puristischen, meist heimischen Küche, mit wenigen aber ehrlichen Zutaten und Portionen. So die Richtung: Pellkartoffel mit Butter und Meersalz. Darauf hebe ich ab, sinnlich verklärt; die Zunge tanzt, der Gaumen tost!
Meine bisherigen Ausflüge in die gehobene Gastronomie kann ich an beiden Händen abzählen. Nicht immer fühlte ich mich richtig wohl und gut aufgehoben und nicht immer konnte der Geschmack der Gerichte über die sparsame Portionierung hinwegtrösten.
Doch gestern hat alles gestimmt, ich sage nur: Genuss und Elbblick!
Selten, dass mal nix zu meckern gibt, oder? Na eben. Deshalb: Hochpreisig, doch das gehört wohl so! Professionell und trotzdem unangestrengt! Kreativ, doch nicht gewollt und bemüht. Eine Geschmacksexplosion jagte die andere, von der auf-den-Punkt-Langustine über die bretonsiche Scholle, bis hin zum Kokoseis, grosses Küchenkino!

weiter östlich – auch köstlich

Fischland-Darß-Zingst im November 2008
oder: Butterfisch und Silbermond

Eiweißreich war es. Fischig. Zwei Tage auf der wunderschönen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.
Butterfisch war neu für mich. Gedünstet und an, in oder mit einer Safransoße (Safranmenge genau richtig!) serviert, war das lecker, lecker, lecker! In loser Folge wurden in diesen Tagen noch Rächerlachs, gegrillter Lachs, Dill-Heringshappen und Seelachs in einer Roquefortkäsesoße serviert, gegessen und für äußerst schmackhaft befunden. Glanzpunkt auf der Zunge war jedoch zweifellos und sternelos die einfache Fischsuppe in einem gutbürgerlichen Gasthaus. Da stimmte alles, guter Fond, sehr gute Einlage! Mit dabei: ungewaschener Fischer und schwarzer Bitter. Ist doch nett: ein Anekdötchen, ein Likörchen, …
-Ja, klar gab´s auch was zu meckern in Meck-Pom, aber das verliert minütlich an Kontour in meiner Erinnerung. Verankert in Geist und Gefühl bleibt die Vollmondnacht, das silbrig glitzernde Meer, die Spaziergänge am sonnigen, langen, weißen Sandstrand, durch knorzige Wälder und durch jede Menge Boddenlanschaft. Vereinzelt noch trotziges buntes Laub an den Ästen vor kitschig blauem Himmel! Seeluft, die jeden Atemzug zur Kur-Anwendung macht. So war mein kleiner Novemberurlaub!
Ach und falls es noch interessiert, heute gibt es bei uns Penne all’ arrabbiata. Mein Körper sehnt sich jetzt  nach einer Portion Kohlenhydrate.

Sonntagsfrühstück

Ist das bei Euch allen so? Bei den meisten? Nur noch bei einigen? Ich meine, dieses typische Sonntagsfrühstück, mit den drei Komponenten:

1. es findet spät statt oder einfach nur später im Vergleich zu den Frühstückszeiten in der Woche
2. es gibt Ei (Rührei, weichgekochtes Ei, wachsweichgekochtes Ei, …)
3. es dauert länger oder einfach länger nur im Vergleich mit einem Frühstück in der Woche

An dieser Stelle sei gesagt, alle drei Komponenten treffen auf mich zu und, -ich geniiiieße es: Wachswarmweiches Eigelb und froh sein darüber, dass der Partner das Ei nicht mit dem Messer köpft (krrrrrrtsch… buaaa!), Brötchenkrümmel auf der dicken Wochenendausgabe, leichte Marmeladenspuren auf der Butter, Käsesorten zur freien Auswahl und die schwarze Johannisbeermarmelade, von Muttern genau so gemacht, wie es besser nicht geht!
Etwas später, die zweite Kanne Kaffee ist aufgesetzt, ein angenehmes Bauchgefühl und die Gewissheit, immerhin noch einen halben Tag zur freien Gestaltung vor mir zu haben!