In Thailand Longans ernten, essen und erleben

Longan: leckere, kleine Kügelchen, die es in sich haben
Longan: leckere, kleine Kügelchen, die es in sich haben

Die ersten Longans werden in Nordthailand jetzt, im Juli geerntet. Im August gibt es noch einmal eine späte Sorte. Ach ja, Longans, nie gehört? Kein Wunder, selbst unter den Exoten der Obst- und Gemüseabteilungen großer Supermärkte oder in asiatischen Geschäften wird man sie in Deutschland kaum entdecken. Ich habe sie jedenfalls erst in Thailand kennen- und lieben gelernt. Longans sind kleine gelb-beige Kügelchen. Ein leichter Druck, die dünne Schale platzt auf und eine weißliche, saftig-süße Kugel mit einem harten Kern in der Mitte, kommt zum Vorschein. Der Geschmack lässt sich noch am ehesten mit dem einer Litschi vergleichen, ist aber doch anders. Hier in Thailand heißen sie lamyai (ลำไย). In Europa sagt man auch Drachenauge-Frucht oder Dragoneye-Fruit.
longan-baum

Ein Festival der Longans

Chiang Mai Longan Festival: wer hat die Schönsten?
Chiang Mai Longan Festival: wer hat die Schönsten?

Longans wachsen an immergrünen Bäumen aus der Familie der Seifenbaumgewächse. Plantagen findet man in Südostasien nur in lokal begrenzten Gebieten, besonders im Norden Thailands um Chiang Mai, Lamphun und Chiang Rai herum. Aber auch in Südchina, Vietnam und Taiwan werden sie angebaut. Die lokale Nachfrage, besonders in China ist so groß, dass diese Früchte in frischer Form gar nicht weiter exportiert werden.
Jedes Jahr, in der zweiten Augustwoche, wird in Lamphun ein großes Longan-Festival gefeiert. Auch in Chiang Mai gibt es Anfang August einige Festtage rund um die leckeren Kügelchen. An vielen Ständen am Thapae Gate kann man dann Longans sehen, riechen und verkosten. Es werden Preise für die schönsten, leckersten und größten Früchte verliehen. Hier wird ausgestellt, was alles aus dieser Frucht gemacht wird. Besonders gut schmecken sie mir getrocknet ohne Kerne und natürlich am besten, frisch! Es gibt Säfte, Brände, Marmeladen, Cremes, Kapseln und Lotionen.

Gesunde Kost

Longan Forschung: Die besten Anbaumethoden - Was steckt drin und was lässt sich daraus machen?
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Selbstverständlich sind die Longans auch gesund und wie! Ihr guter Mix aus Vitamin C, Magnesium, Kalzium, Eisen und diversen sekundären Pflanzenstoffen soll sich besonders positiv auf das Immunsystem und auf die Serotoninbildung auswirken. Also richtig gesunde Gute-Laune-Kügelchen.

Longan Ernte

Wen es hier zur Erntezeit einmal in die Gegend der Provinzen Lamphun oder Chiang Mai verschlägt, dem kann ich eine Tour mitten durch die Longan Plantagen nur empfehlen. Meistens verlaufen sie weitläufig rechts und links von kleinen Wasserkanälen. So zum Beispiel auf einer Nebenstrecke von Sankamphaeng aus nach Lamphun. Von der Straße aus sieht man die einfachen Stiegen über die Bäume herausragen und dann hört man auch schon munteres Geplapper. Es ist interessant, die geschickten Pflücker bei der Arbeit zu beobachten. Obendrein hatten wir, trotz einiger Sprachbarrieren, auch noch jede Menge Spaß mit der freundlichen Ernte-Truppe. Natürlich gab es dazu Longans satt. Vielleicht ist ja doch was dran und die Longans treiben den Serotonin-Spiegel in die Höhe. Jedenfalls sind wir nach einiger Zeit bestens gelaunt und beschwingt weiter gezogen.

Verwechslung möglich

Oberflächlich kann man sie leicht mit den Langsat- oder auch Longkong-Früchten verwechseln. Ebenfalls gelbe Kügelchen. Diese sitzen aber dichter zusammen, die Schale ist weicher und das Fruchtfleisch in Kammern aufgeteilt. Sie wachsen am Lansibaum, ein Baum aus der Familie der Mahagonigewächse. Die Ernte ist erst im Oktober und die Plantagen mehr im Süden Thailands und ganz besonders viele auf den Philippinen.

Seine Kollegen nennen ihn bewundernd " Monkiie", weil er so flink in die Bäume klettert
Seine Kollegen nennen ihn bewundernd “Monkiie”, weil er so flink in die Bäume klettert
Die Frauen zupfen die Kügelchen von den Ästen
Die Frauen zupfen die Kügelchen von den Ästen
Nachschub, frisch geerntete Äste


Aha, hier wird geerntet, also schnell hinein ins Grün
Aha, hier wird geerntet, also schnell hinein ins Grün
... denn wo geerntet wird, da geht es meistens sehr gesellig zu
… denn wo geerntet wird, da geht es meistens sehr gesellig zu

Der holde Duft der Stinkefrucht

Da gibt es Ähnlichkeiten, finde ich. Schaut mal hier, die Jackfrucht aus dem letzten Artikel. Und jetzt hier weiter im Text: Es geht um die Stinkefrucht, die Durian. Für jeden Asienreisenden wesentlich spektakulärer als die Jackfrucht. Sie begegnet uns hier auf Verbotsschildern von Hotels und öffentlichen Beförderungsmitteln. Verboten, weil sie stinkt. Sie hat durchaus einen eigenen, unverwechselbaren Geruch, aber Schwefeleier, Männerklos und Hundehaufen riechen unangenehmer. Niemand käme auf die Idee, für diese Geruchsbomben Verbotsschilder aufzustellen. Doch halt, in Deutschland, das weiß ich, gibt es diese niedlichen kleinen Schilder auf Dackelhöhe, die einen kackenden Hund abbilden, der mit einem roten Balken durchgestrichen ist. Halt ähnlich den Durian-Verbotsschildern.

Jetzt betrachten wir die beiden Stachelmonster mal im botanischen Vergleich. Während die Jackfrucht an den Baumstämmen der Sorte Jackfruchtbaum, Artocarpus heterophyllus, aus der Familie der Maulbeergewächse (Moraceae) hängt, finden wir die Durian an den starken Ästen des Durianbaumes, Durio zibethinus. Er wird auch Zibetbaum genannt und gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Auch wird die Durian schwer, so 2-5 Kilogramm, aber nicht so höllisch schwer wie die Jackfrucht. Dafür sind die Dornen spitzer, dicker und größer als bei der Jackfrucht.

Kurz einen Blick auf die Daten und Fakten der Durian:
100 g haben 140 Kalorien und diese Frucht ist reich an Kalium, Phosphor, Eisen und Kalzium. Bei den Vitaminen sind Vitamin A, C und einiges an Vitaminen der Gruppe B mit dabei.

Nach so viel Wissensinput jetzt weiter mit meiner ersten persönlichen Erfahrung. Gewissermaßen meine erste eigene Durian. Da lag dann also dieses kleine Stachelbiest und wollte erobert werden. Sie fallen übrigens, wenn sie reif sind, vom Baum und die Dornen schützen sie vor Druckstellen. Ganz schön pfiffig. Ok, also mit oberster Vorsicht und scharfem Messer der erste Schnitt quer durch. So furchtbar anders als bei der Jackfrucht sieht das jetzt nicht aus, aber, und das ist wesentlich, es klebt nicht! Es riecht eben ein wenig, aber klebt nicht. Nofruit is perfect, … oder so.

In den einzelnen Kammern liegen gelbe Fruchtbeutel, die einen dicken Kern zur Fortpflanzung enthalten. Recht schnell ist alles getrennt und man hat eine Schüssel mit dem reinen Fruchtfleisch vor sich. Ein wenig habe ich genascht davon. Es schmeckt für mich süß, fremd und ein wenig nach Vanille. An dieser Stelle gibt es viele verschiedenen Aussagen, soll jeder selbst mal probieren.

Ich habe das Fruchtfleisch letztendlich in den Mixer gegeben und zusammen mit einigen Spritzern Limone, etwas Honig und Wasser püriert. Dann eingefroren, unter gelegentlichem Umrühren. In modernen Haushalten gibt man die Masse in eine Eismaschine. Lecker mein Stinke-Eis! Morgen werde ich etwas von der hart gefrorenen Masse jeweils auf eine Teigplatte geben. Die gleichen, die man tiefgefroren kaufen kann und normalerweise für Frühlingsrollen verwendet. Darin wickle ich das Eis ein und frittiere es ganz kurz, sodass der Teig anknuspert, aber das Eis noch nicht herausläuft. Das kann man natürlich mit allen anderen Eissorten ebenso tun. Das Ergebnis ist ein leckeres Dessert, das mit minimalem Einsatz, einen maximalen Effekt erzielt.

Pampel Pomelo

Jetzt im Oktober begegnet sie dir überall an den Marktständen in Nordthailand. Oder Du gehst spazieren und es steigt dir plötzlich ein süß-fruchtiger Zitrusduft in die Nase. Jetzt kannst du den Blick schweifen lassen, bis du ihn entdeckst. Einen wunderschönen Baum mit dicken Bällen daran, den Pomelo Baum.

Hast du eine Frucht zu Hause, ist erst eine dicke Zitrusschale zu überwinden. Dann bist du aber lange noch nicht am Ziel. Eine störrig-ledrige, weiße Haut umzieht die ganze Frucht und jedes Segment auch noch einmal. Erst wenn du die einzelnen Schiffchen völlig herausgeklaubt hast, geht’s ans genießen. Ich weiß, warum diese Frucht hier oft schon geschält erhältlich ist. Saftig geht’s erst im Mund zu, wenn man mit den Zähnen die einzelnen kleinen Fruchtzellen zerplatzen lässt. Der beste Moment, der Pomelo Moment, ein herrliches Gefühl!
Ganz klar, es ist eine Pampelmusenart, genauer, eine Kreuzung aus Grapefruit und Pampelmuse. Der Geschmack ist unaufdringlich und hat von allem etwas, ist bitter und süß, säuerlich und erfrischend.
In der pikanten Küche könnte ich sie mir am besten in einem Chutney vorstellen. Leckere Vorstellung auch, thailändisch inspiriert, eine Kombi mit Garnelen oder Hühnchen, Chili, Lemon und Korianderkraut, auf zarten *Kohlblättern angerichtet.
*der thailändische Weißkohl ist extrem lecker, ganz zart, leicht süß. Viel zu schade um ihn zu garen, daher wird er hier auch meistens roh verspeist.