Die Spielverderber

Jedes Jahr, kurz vor Schluss, sind sie wieder da, die Spielverderber.
Jedes Jahr wieder, werden sie nicht müde zu betonen, dass gute Vorsätze zum neuen Jahr völliger Unsinn sind; dass man Umstellungen und Veränderungen dann angehen muss, wenn es an der Zeit ist und nicht, wenn ein neues Jahr anfängt; dass gute Vorsätze zum neuen Jahr sowieso nur bis höchstens Mitte Februar halten und dergleichen mehr…
So weit, so vernünftig – so langweilig.
Natürlich wissen wir, die wir es lieben, uns das neue Jahr als neues, weißes Blatt vorzustellen, das auch. Auch wir haben schon so manches Jahr gehen und kommen sehen.

Aber sie steckt eben ein bisschen in uns drin, diese Sehnsucht nach Neuanfang, eine Art Wunsch nach Ablasshandel.
Die freudig empfundene Chance auf einen Neubeginn. Alles was nicht so toll war, das lassen wir einfach hinter uns. Unsere bösen Geister, wir vertreiben sie mit lautem Geknall, prickelndem Gesöff und setzen noch mal neu auf, da, wo es für uns passend scheint.

Ich liebe dieses Gefühl! Auch einen neuen Kalender zu füllen gehört für mich dazu. Eifrig trage ich Termine ein, egal ob wiederkehrend, einmalig und vor allem lieber analog als digital, da bin ich altmodisch. Jedes Jahr ist bei mir der feste Vorsatz damit verbunden, im neuen Jahr wirklich alles dort hineinzuschreiben, damit mir keine Ideen und keine Ereignisse mehr durch mein „Lebens-Rost“ rutschen. Immerhin habe ich das Gefühl, dies klappt von Jahr zu Jahr besser.

Ein neuer Kalender, ein weißes Blatt, das neue Jahr! Was gehe ich an, im neuen Jahr? Notieren, planen, priorisieren, präzisieren! Das macht doch Spaß! Natürlich werden wieder Pläne oder Vorsätze nicht umgesetzt, bleiben regelrecht auf der Strecke, weil sie allzu ehrgeizig in der Neujahrseuphorie gefasst wurden. Doch da phrasiere ich mal keck: „Mut zur Lücke!“ und „ein wenig Schwund ist immer!“ Ich greife Silvester lieber nach den Sternen und schaffe es so wenigstens aufrecht durchs Jahr. Und falls nicht, das nächste Jahr ist doch schon in Sicht! 😉

genugda wünscht gutes Gelingen für alle Vorsätze und Pläne ab 2011 und mitten in 2011!

Guter Vorsatz mit bestem Einsatz!

Zu den „guten“ Vorsätzen im neuen Jahr gibt es die kuriosesten Einstellungen und Stellungnahmen. Schauen wir mal, was es für unterschiedliche Meinungen gibt: gut, entweder man fasst neue Vorsätze oder nicht, aber interessant wird es in den Zwischentönen finde ich. Hör mal genau hin, in der Familie, im Freundeskreis oder hör Dir selbst einmal zu …

…  eher der coole, konservative Typ:
Vorsätze im neuen Jahr? – Nein danke! Alles ist bestens wie es ist!

oder der vernünftige, therapeutische Typ:
Vorsätze in neuen Jahr? – Nein, ich fasse sie dann, wenn für mich die Zeit dafür gekommen ist, nicht wenn ein neues Jahr beginnt.

oder der vernünftige, trotzige Typ:
Vorsätze in neuen Jahr? – Nein, ich fasse sie dann, wenn für mich die Zeit dafür gekommen ist, nicht wenn ein neues Jahr beginnt, auch wenn dann die Zeit gekommen sein sollte.

oder nehmen wir den dogmatischen Typen:
Vorsätze im neuen Jahr? – Schon aus Prinzip nicht!

oder den resignierten Typen:
Vorsätze im Neuen Jahr? – Bringt ja eh nichts, hält nicht lange vor!

der resignierte, erfahrene Typ:
Vorsätze im Neuen Jahr? – Bringt ja eh nichts, hält bei mir nicht lange vor!

der optimistische, enthusiastische Typ:
Vorsätze im neuen Jahr! – Na klar, wie jedes Jahr! Da gibt´s ne ganze Menge! Du, und dieses Mal schaffe ich es!

oder der vom Typ „Hellseher“:
Vorsätze im neuen Jahr! – Na klar, auch wenn´s eh nichts bringt!

Typ trotziger „Hellseher“:
Vorsätze im neuen Jahr! – Na klar, auch wenn´s eh nichts bringt! – jetzt erst recht!

Ich könnte so seitenweise weiter schreiben, aber vielleicht magst DU ja noch einige Typen ergänzen? Die Zeit eignet sich gerade hervorragend dazu. Oder überlege mal, was Du selbst für ein Typ bist?
Bei näherer Betrachtung halte ich mich überwiegend für
den traditionellen, lässig realistischen Typen:
Vorsätze im neuen Jahr! – Na klar, gehört dazu, mal sehen wohin sie mich bringen dieses Jahr!

Falls Du nicht zu den dogmatischen, trotzigen Anti-Vorsätze-Typen gehörst und auch sonst mal gern ein wenig Pläne schmieden für´s neue Jahr, dann interessiert Dich vielleicht mein alljährliches kleines Ritual. Ich habe es wohl in den letzten Jahren schon einige Male erzählt und beschrieben.
Frei nach den Phrasen „Papier ist geduldig“ und „Wer schreibt, der bleibt!“ beginne ich mein neues Jahr zunächst mit einem weißen Blatt Papier. So ein Jahreswechsel ist nun mal eine Zäsur, ein neues Kapitel beginnt, ein weißes, unbeschriebenes Blatt liegt vor mir und genau das fasziniert mich, jedes Jahr aufs Neue! Es ist ein Rhythmus, wenn auch nicht so ein natürlicher, wie die Mondphasen, die Jahreszeiten oder Tag und Nacht. Aber der kalendarische Jahresrhythmus ist uns Menschen doch recht ähnlich, ist auch ein Mix aus Zivilisation und Natur, aus Bewusstheit und Instinkt, aus Regelwerk und Treibenlassen.
Es geht dabei um ein intuitives, lösungsorientiertes Erfassen der eigenen Fähigkeiten (auch der Grenzen der eigenen Fähigkeiten), aus positiven, wie auch aus negativen Erfahrungen heraus und darum, dies dann für die Vorsätze und Pläne im nächsten Jahr zu nutzen. Es bietet keine Anleitung für konkrete Umsetzungsmaßnahmen von Vorsätzen und Plänen, wie sie uns ja schon recht zahlreich in den Medien zur Verfügung stehen.

Begonnen hat es bei mir irgendwann einmal mit einer simplen Liste und inzwischen wird daraus in manchen Jahren ein regelrechtes kleines, buntes Kunstwerk mit Kringeln, Pfeilen und Bildern.