Oktober Thai Five

Es geht um Stärke! Muskelkraft? Nein. Steife Hemdkragen? Nein. Besondere Talente? Nein. Stärkemehle? Ja! Stärke-Skills in Thailands Küchen, Stärke-Tricks für deine Küche.
This is about starch. What amazing things they do with starch in Thailand’s kitchens! Perfect textures wanted! On top two starch tips for your kitchen.

Der Umgang mit Stärke ist eine der vielen Stärken der thailändischen Küche. Ich stelle dir ein paar fantastische Food-Produkte vor, die es hier an jeder Ecke, auf jedem Markt gibt. Eine pikante Speise ist auch dabei. Die traditionell hergestellten Desserts und Süßigkeiten sind selten so süß, wie sie aussehen. Das macht einige letztendlich, neben ihrer bezaubernden Optik, sogar kulinarisch für mich interessant. On top gibt es noch zwei außerordentlich smarte Stärke Tipps für die Küche.

Thai Five Starch

Perfect starch handling is one of the many Thai kitchen skills. I’ll introduce you to some fantastic food products that are available as streetfood and on markets. The traditionally, handmade desserts and sweets are rarely as sweet as they look. That´s why they are not only catching my eye. One non-sweet dish is quite a famous streetfood made with starch. And, on top, you´ll get two extraordinarily smart starch tips for your cooking.

Woman selling khanom at the market

1. Speisestärke ist …

… in den Küchen der Welt ein wichtiges Bindemittel. Bei uns im Westen hantiert man am liebsten mit Maisstärke, Weizenstärke, hin und wieder auch gern mit Kartoffel- oder Reisstärke. Sie alle unterscheiden sich kaum voneinander. Stärke bindet Flüssigkeiten und macht Gebäck zarter und feinporiger. All diese Stärkemehle kennt man in Thailand, doch in der traditionellen Küche liegt die einheimische Tapiokastärke vorn. Sie wird aus Maniok (Cassava Wurzeln, มันสำปะหลัง) gewonnen. Der Maniok Anbau und die Tapioka Industrie spielen eine wichtige wirtschaftliche Rolle in Thailand. Die anspruchslose Knolle gedeiht wunderbar und lässt sich in der Erde gut bis zu zwei Jahre lang aufbewahren. Nach Reis und Zuckerrohr steht Maniok an dritter Stelle der thailändischen Agrarprodukte. Der Maniok Anbau hat sich vom Süden Thailands bis in den Isaan ausgebreitet.
Übrigens, das Maniokmehl kann prima als Ersatzmehl für eine glutenfreie Ernährung verwendet werden. Die reine Stärke, Tapioka, wird aus dem Maniokmehl extrahiert und kommt entweder als Pulver oder in Form kleiner Kügelchen in den Handel.

Starch is …

… an important binding agent in cuisines around the world. The West ones prefer the use of corn starch, wheat starch, occasionally also potato or rice starch. There are no notable differences between them. Starch binds liquids and makes pastries more tender with fine pores. All of these starch flours are known in Thailand, but the Thais prefer to work with the traditional local tapioca starch. It is obtained from cassava roots (มันสำปะหลัง). Cassava cultivation and the tapioca industry are important economic players in Thailand. It´s easy to grow and can be stored in the ground for up to two years. After rice and sugarcane, cassava is the third largest agricultural product in Thailand. The cultivation of these tubers spread from the south of Thailand to Isaan.
Cassava flour can be used as a substitute flour for a gluten-free diet. The pure starch, tapioca, is extracted from the cassava flour and is sold either as a powder or in the form of small beads.

Rad Na with pork and thick rice noodles

2. Rad Na ราดหน้า

Dieses Gericht haben viele nicht auf dem Schirm. Wir bekamen es zum Glück direkt im ersten Jahr hier in Thailand einfach mal vorgesetzt. Ohne Vorwarnung galt es, mit einer merkwürdigen, schleimigen Konsistenz zurechtzukommen. Doch der Gusto-Funken sprang recht schnell über. Schlotzige, dicke Reisnudeln, etwas Gemüse und zarte Schweinefleischscheiben sind mit einer zähflüssigen Brühe ummantelt. Das sorgt im Mund für einen etwas verlängerten Aufenthalt, so dass auch die letzten Geschmacksnerven Kontakt aufnehmen können. Wenn die Grundzutaten stimmen, ist Rad Na ein köstliches Soulfood! Ein paar Chiliflocken obendrauf brechen gekonnt den harmonischen Gesamteindruck. In Nakhon Si Thammarat durfte ich letztens ein Seafood Rad Na probieren, für mich bisher die leckerste Rad Na Version ever. Dieses typische Thai Gericht hat seine kulinarischen Wurzeln unverkennbar in China.  

Rad na with seafood

Rad Na aroy mak mak  ราดหน้าอร่อยมากมาก

Thinking of Thai food, you wouldn´t think of this dish first. Fortunately we came in contact with it quite early. In expectation of a normal soup dish, we had to deal with a strange, slimy consistence. But irritation quickly turned into enthusiasm. We found flaky, chewy, wide rice noodles, some vegetables and tender prork slices, all coated and covered with a viscous broth. This ensures a slightly longer stay in the mouth so that even the last taste buds can make contact. When the basic ingredients are fine, this simple Thai dish is delicious soul food! At the table a few chiliflakes will break the harmonic taste at it´s best. In Nakhon Si Thammarat I was recently blessed to try a seafood Rad Na, for me this was the tastiest Rad Na version up to now. Like many other Thai dishes, Rad Na is an origin Chinese dish.

3. Fantasie, Farben, Fingerfertigkeit

Viele Thai Süßigkeiten und Desserts sind kleine Kunstwerke. Die nötige Konsistenz bekommen sie durch Stärke, in der Regel Tapioka.
Die Tapiokaperlen kommen hauptsächlich in den phantasievollen süßen Bubble Teas zum Einsatz. Die Mixtur aus Tee, Perlen, Milch, Sirup und Eiswürfeln hat sich in den 80ern von Taiwan aus weltweit ausgebreitet. Scheint als wären sie in Thailand hängengeblieben. Die Bubble Tea Shops gehören hier seit Jahren zum Straßenbild. Immer neue fantasievolle Kreationen sorgen dafür, dass die Beliebtheit nicht nachlässt.

Many Thai sweets and desserts are small works of art. For their required consistency usually tapioca starch is used.
Tapioca pearls are mainly used in the fancy sweet bubble teas. This mixture of tea, bubbles, milk, syrup and ice cubes was spread from Taiwan all over the world in the 80s. Feels like they have stuck here in Thailand. The bubble tea shops are still part of the street scene. Constantly new creative mixtures ensure that the popularity does not wane.

Aus der Welt der Thai Süßigkeiten habe ich vier kleine Sensationen für dich ausgesucht. Durch natürliche Zutaten wie Kokos, Reis, Bohnen oder Pandan sind sie allesamt wunderbar vielschichtig aromatisch und nicht von diesem flachen Nur-Süß, wie so viele Industrie-Süßigkeiten. Den nötigen Halt bekommen die Minikunstwerke meistens mit Reisstärke oder Tapioka verpasst. Wenn du etwas nerdig drauf bist in der Küche: Mit den Infos hier kannst du passende Rezepte im Internet finden. Einfacher ist es natürlich, du kommst und probierst vor Ort mal alles durch.

From the Thai world of sweets I selected four little sensations for you. Thanks to natural ingredients such as coconut, rice, beans or pandan, they are all fantastic complex and aromatic, not just sweet like most of the industrial sweets. The mini works of art usually get their stability from rice starch or tapioca.
If you’re a bit nerdy in the kitchen: You can use the information here to find suitable recipes on the internet. Of course it’s easier to come along and try them all here in Thailand.

Der akkurat geschichtete, grüne Glibber hat mich sofort fasziniert. Die Geschichte dieses Khanom Chan ขนมชั้น reicht zurück bis in die Sukhothai Periode, 13. bis 15. Jahrhundert. Die grüne Farbe kommt von den Pandanblättern. Ein tolles Aroma, welches für mich zu den typischen Gerüchen Thailands gehört.

Takoh im Bananenblatt

Sehr traditionell sind auch die nächsten beiden Schätze Takoh ตะโก้ und Khanom sot sai ขนมสอดไส้ (Khanom sai sai ขนมใส่ไส้). Beides kommt kunstvoll in Bananenblättern verpackt daher. Takoh besteht aus einer dünnen Kokos-Gelee Schicht mit einer superzarten Kokoscreme obendrauf.
Wenn du das hübsch verpackte Khanom sai sai entfaltest, erwarten dich: Eine gedämpfte, gelierte, ganz leicht gesalzene, geschmeidige Reisstärkemasse. In der Mitte eine süße Füllung aus Palmzucker und Kokosraspeln.

Khanom sai sai

The next two treasures Takoh ตะโก้ and Khanom sot sai ขนมสอดไส้ (or Khanom sai sai ขนมใส่ไส้) have as well an old tradition. Both come artfully wrapped in banana leaves. Takoh consists a thin layer of coconut jelly with a super-soft coconut cream on top.
When you unfold the beautifully packaged Khanom sai sai you will get: a steamed, gelled, very lightly salted, smooth rice starch mass. Inside a sweet filling, made from palm sugar and desiccated coconut, is hidden.

An dieser Stelle muss ich noch die Mochi (Moji) erwähnen. Zwar sind diese lustigen, bunten Flummis ursprünglich aus Japan, aber die Thais lieben sie und haben sie längst integriert. Die wirklich einmalige, spaßige Konsistenz erhalten die Mochi durch Klebreisstärke. Süß sind lediglich die Füllungen, die von Ei, über Bohnen, Beeren, Durian, grüner Tee bis hin zu ebenso vielen Eiscreme Variationen reichen.

At this point I have to mention mochi. These funny, colorful bouncy balls are originally from Japan. But as with the Taiwanese bubbles, the Thais love them and so they adopted them. Mochi get their really unique consistency from sticky rice starch. The only sweet things are the fillings, they ranges from egg, beans, berries, durian, green tea up to all sorts of ice cream.

4. Stärke Tipp , der erste – tip no. one

„Jetzt habe ich die Tofu-Stücke schon über Nacht mariniert und trotzdem, irgendwie noch fad ..!“ Ok, dann mal aufgepasst! Getestet und für gut befunden: Tofu pressen, entwässern. In Stücke reißen statt schneiden. Nicht würzen! In einer Schüssel mit Stärke von allen Seiten bepudern. In Öl braten bis sie überall goldbraun sind. Erst jetzt die fertigen Tofu-Stückchen in eine Marinade geben oder nach Belieben würzen. So geht Tofu in lecker!

“Now I’ve already marinated the tofu pieces overnight and they’re still somehow bland and boring!” Watch out! Tested and favoured. Do this: press the tofu block and drain it. Then tear it into pieces instead of cutting. Don’t season! Dust them all around with starch. Fry in oil until golden brown all over. Now mix the tofu pieces in a marinade or season them as desired. Enjoy your tasty tofu!

bunte Khanom Mischung

5. Stärke Tipp Nummer zwei – tip no. two

Zartes, saftiges Schweinefleisch bekommst du mühelos mit Tapioka und Eiweiß hin. Dieser Trick kommt ursprünglich aus der chinesischen Küche. Gib etwas Stärke und ein Eiweiß in die Würzmarinade und lass das Fleisch mindestens eine halbe Stunde darin ziehen. In Thailand wird das Fleisch häufig nur mit Stärke benetzt. Nicht schlecht, aber das bessere Mundgefühl entsteht eindeutig mit der Kombination Stärke und Eiweiß.

You can easily achieve tender, juicy pork with tapioca and egg white. This trick originally comes from the Chinese cuisine. Add some starch and an egg white to the marinade and let the meat marinate for at least half an hour. In Thailand the meat is often only coated with starch. Not bad, but the better mouthfeel definitely comes with a combination of starch and protein.

September Thai Five

Heute im Angebot: Ein spezieller Baum, ein Schweine-Büffel, entzückende Longans, reife Annona und ein Kuss.
Today offering my first Thai Five. It´s about: one tree species, a strange buffalo, rip chirimoya, fancy longans and a kiss. High five!

unbekannter Baum

1. Pflanzen App überfordert

Auf meine neue Pflanzen-App lasse ich so schnell nix kommen! Alles hat sie bisher richtig gemacht, in Deutschland wie in Thailand. Habe schon einige Apps zuvor getestet und war meistens schnell enttäuscht. Jetzt bin ich hier im Norden Thailands auf einen Baum gestoßen, den bekommt sie einfach nicht hin. Je nach Foto und Ausschnitt, kommen fünf verschiedene Vorschläge und alle beziehen sich auf andere Bäume. Vielleicht kann jemand da weiterhelfen?

unbekannter Baum

Help me, my plant app is overwhelmed!

Oh, I was so excited about my new plant app! It worked perfect so far, in Germany and in Thailand. I’ve already tested a few apps before and was always quite disappointed, but this one … Now I came across with a strange tree here in the north of Thailand, I never saw before. My new app respond with around five different suggestions, but they all refer to other trees I know. Maybe someone can help?

Little longan tart on a nice ceramic plate of the café Bee &  Rose

2. Lecker Longantörtchen

Nee, ich und Kuchen, vergiss es! Pikant und scharf, so soll es sein! Aber ein wenig probiere ich hin wieder ganz gern vom Süßen, meistens aus Neugier. So wie dieses super leckere Longan Törtchen im Café Bee & Rose. Dezente Süße. Eine wunderbare sanfte Glasur verbindet die fruchtigen Longans aufs Feinste mit dem knusprigen Boden. Longan, bekannt? Ich habe sie hier in Thailand kennengelernt, sie erinnern ein wenig an Litschi.

Yummy longan tarte

Me and cake, forget it! Spicy and salty, that is what catches me. Anyway, from time to time I like to taste the sweet things as well. IF they are not too sweet! For example this super delicious little longan tart we had at Café Bee & Rose. Subtle sweetness. An amazing soft glaze combined the fruity longans with the crispy bottom at it´s best! – Longans, you know? I met them here in North Thailand first, you can compare them a bit with lychee. More from that special fruit another time.

3. Weißer Büffel

Schau her, ein weißer Büffel! Hab ich noch nie gesehen, geschweige denn gestreichelt. Ula, die Inhaberin eines Dorfladens, ist nun Mama eines jungen, weißen Büffels. Jung! Bin mal gespannt, wie die beiden sich so miteinander entwickeln, wenn der Büffel Fahrt auf nimmt. Übrigens: einen jungen, weißen (fleischfarbenen) Büffel zu streicheln, das fühlt sich an, als würdest du ein großes Hausschwein streicheln.
Für zum Klugschnacken: Ein weißer Büffel ist in Thailand ein Symbol für Weisheit. So ein Sumpfbüffel(!) ist mit vier bis fünf Jahren erwachsen und wiegt dann rund 400 kg.

junger weißer Büffel - young white buffalo

White buffalo

Well, look, a white buffalo! I’ve never seen one, certainly not petted a buffalo at all, no matter which color. Village shop owner Ura is now a proud mother of a young white buffalo. Young! I’m really curious how both of them get along with each other when the buffalo picks up speed in growing. By the way: petting a white buffalo is like petting a large domestic pig.
May useless to know: A white buffalo is a symbol of wisdom in Thailand. Adults, four to five years old, weight around 400 kg.

Zimtapfel, Chirimoya, Custard apple
Chirimoya – Zimtapfel – custard apple – Noi Na

4. Zimtäpfel sind reif!Thai: Noi Na น้อยหน่า

Bekannt? Ein anderer Name wäre Chirimoya (Cherimoya). Hab ich auch erst hier kennengelernt, wie so viele Früchte und Gemüsesorten. Eine seltsame, sympathische Frucht mit vielen glatten, großen Kernen. Es macht Spaß, sie mit der Zunge im Mund auszusortieren. Das weiße Fruchtfleisch ist cremig, breiig, süß und lecker, mitunter ist eine leichte Vanillenote dabei. Erwähnenswert ist ihr Gehalt an Vitamin C, B1, B6 und ihr hoher Ballaststoffgehalt. Sicherer Gesundheitstipp: Auf keinen Fall die Schale und die Kerne zerkauen und essen!   

It´s custard apple time!

Do you know this fruit? It also sometimes goes by the name Chirimoya (Cherimoya). Like a lot of fruits,  I met this one the first time here in Thailand. An odd, enjoyable fruit with many smooth, large seeds. It’s fun sorting them out with the tongue in the mouth. The white pulp is creamy, sweet and tasty, sometimes with a hint of vanilla. Vitamine C, B1, B6 and a lot of high fibers are the remarkable substances. Safe health facts: Don´t chew and eat the peel and seeds!

Ein Hund-Kalb-Kuss

5. Fast ein Kuss …

Unser Senior Streuner trifft beim gemeinsamen Rundgang auf ein Kälbchen. Es wird beidseitig geschnuppert, geküsst, aber der zündende Funke hat dann wohl gefehlt.

A kiss without consequences                                         

Our senior stray dog meets a calf on our daily walk. Sniffing, kissing, the spark was missing.

Hund wendet sich vom Kalb ab

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author genugda Konstanze

bye bye auf wiedersehen see you next month

Suppe und Wurst

Klar, die Thai Küche ist weltweit beliebt. Doch regional gibt es da sehr unterschiedliche Gaumenfreuden zu entdecken. Rund um Chiang Mai stehen in der Regel die Khao soi und die Sai oa an erster Stelle. Besucher aus dem Süd- und Zentral-Thailand versuchen jedenfalls in Chiang Mai so oft wie möglich die köstlich scharfe Suppe Khao soi zu essen. Auf dem Rückweg haben sie fast alle mindestens einen Ring der würzigen Kräuterwurst Sai oa im Gepäck. Beide Gerichte sind aber auch so was von „voll auf die Fresse“! (-sorry-)

Hin und wieder schreibe ich, hier in der Provinz Chiang Mai, für ein deutschsprachiges Magazin, das in Pattaya für ganz Thailand publiziert wird. Der Herausgeber Martin Rüegsegger hat nun einige meiner Bezahlartikel freigeschaltet, damit ich sie auf genugda mit Euch teilen kann.

Im ersten Artikel geht es um die Khao soi. Eine Suppe, die alles fast im Übermaß bietet, was man so kulinarisch wahrnehmen kann. Achtung, manch sensiblen Gaumen kann das durchaus überfordern. Nicht nur wegen der Schärfe!

Khao soi

https://der-farang.com/de/pages/khao-soi-ein-feuerwerk-fuer-alle-sinne

Und hier geht´s um die Chiang Mai Wurst, die Sai oa, die scharfe, köstliche:

Chiang Mai Wurst, Sai oa

https://der-farang.com/de/pages/lecker-aus-chiang-mai-der-aromakick-im-darm

Gac, nicht von dieser Welt

Gacs oder Gacfrüchte, das sind hübsche, rote Stachelmonster aus den Tropen.

Ohne Frage, eine Gac (auch: Gacfruit, Momordica cochinchinensis, Gacfrucht oder Baby-Jackfrucht) auf dem Markt oder in Gärten ist beeindruckend. Diese Gacs sehen äußerst attraktiv aus! Völlig anders, als alle Früchte, die man im Laufe seines Lebens kennengelernt hat. Auf jeden Fall schreit allein schon ihr knalliges Orangerot:“Nimm mich!“ Hält man eine dieser kugeligen Stachelfrüchte dann in den Händen, sind sämtliche Reflexzonen aktiviert. (Das ist bestimmt eine Therapie, die im Netz noch nicht vorgestellt wurde, die Gac-Handreflexzonenmassage.)

Diese Gacfrucht ist noch nicht reif

Botanisch gesehen

Die Gacs gehören zu den Kürbisgewächsen. Am liebsten ranken sie meterlang hoch und quer. Sie wachsen in ganz Südostasien. Ursprünglich kommen sie aus Vietnam, können aber genausogut auch aus Südchina oder Indien stammen. Egal.

Die blassgelbe Gac Blüte ist leider nicht weiblich, wachst übrigens bei mir im Garten.

Gacfrüchte mögen es ganzjährig warm, bei einer hohen Luftfeuchtigkeit. Es sind eben tropische Kürbisgewächse. Wer, außerhalb tropischer Gebiete, über ein Gewächshaus verfügt und gerne Neues ausprobiert, sollte ein paar Gacs kultivieren. Wenn sie erst einmal anfangen zu ranken, sind sie kaum zu bremsen. Wer die großen, dunklen Samen der Gacfrucht ins Erdreich gedrückt hat, braucht zunächst Geduld. Die Keimdauer beträgt ungefähr einen Monat. Mitunter dauert es auch mal gut ein Jahr, bis sich was tut.

Die dunklen Samen sind daumennagelgroß. Zum Einpflanzen sollten sie so sauber sein und getrocknet werden.

Doch dann ranken sie los. Die Blüten sind blassgelb, mit schwarzem Grund und relativ unspektakulär. Nur die weiblichen Blüten bringen einen Fruchtknoten aus und damit irgendwann auch die ersehnten Früchte. Eine Erntezeit werde ich hier nicht angeben. Im Internet heißt es unisono die Gacs haben ein „schmales Erntezeitfenster von Dezember bis Januar“. Hier in Thailand ist es Mitte Juli und die Gacs reifen seit einigen Wochen munter vor sich hin. Ich denke mal, sie sie sind reif, wenn sie tief orange-rot sind und das variiert halt je nach geografischem und lokalem Standort und Sorte.

Dreimal Gacfrucht frisch geerntet. Diese habe ich von der Freundin einer Bekannten aus dem Nachbardorf.

Gac im Einsatz

In Thailand heißen die Gacs Fahk Khao (ฟักข้าว). Hier verwendet man hauptsächlich die unreifen Früchte und jungen Sprossen in Curries. In letzter Zeit bekommt man sie auch immer öfter als Smoothie, zusammen mit Passionsfrucht oder Ananas serviert. Das schmeckt dann richtig gut.

In Vietnam wird das rote Fruchtfleisch traditionell mit Klebreis, zu bestimmten Anlässen, wie Hochzeiten und zum Neujahrsfest, zubereitet. Das Gericht nennt sich Xôi gấc. In der traditionellen Medizin sind Früchte, Blätter und Samen in ganz Südostasien im Einsatz: als allgemeine Kraftquelle, als Jungbrunnen, gegen Anämien, Herz-Kreislauferkrankungen, Augenerkrankungen und vieles mehr.

Ihrem Aussehen nach müsste die Gac ein ordentliches Geschmacksfeuerwerk abliefern. Aber nein, leider ist die Gacfrucht kulinarisch nicht der Bringer. Ihr Geschmack ist leicht bitter bis geschmacksneutral. Im Internet findet man den Geschmack oft mit dem der Avocados beschrieben, ich schmeck das nicht so. Aber vielleicht kommt es ja auf die Sorte an und wie man halt so unterschiedlich schmeckt. Aber ohne Zweifel hat sie jede Menge innere Werte! Achtung, Superfood-Alarm!

Innere Werte

Auch bei den Inhaltsstoffen lese ich im Netz überall die gleichen Mengenangaben. In diesem roten Stacheligel sollen sich demnach siebzig mal mehr Lykopin als in Tomaten und zehn mal mehr Beta-Carotin als in Karotten befinden. Aber ich glaube, da schreibt nur einer vom anderen ab. Schaut man sich einige Studien an, variieren die Werte.

Dennoch, was den Gehalt an Lykopin und Beta-Carotin betrifft, da kann kein Gemüse, keine Frucht der Welt mithalten. Auch Vitamin C und E sind reichlich enthalten. Selbst ohne genaue Zahlen kann man wohl getrost davon ausgehen, dass die Augen, die Haut, das Immunsystem und das Herz vom Verzehr profitieren werden. Ein spezielles Protein wird auch noch hervorgehoben. Das führte in Versuchen mit Mäusen zu einer Reduzierung cancerogener Tumore.

Wer da näher eintauchen möchte, kann sich ja hier mal reinlesen:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4779482/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15753981
https://pdfs.semanticscholar.org/1843/17b812d47e9f6bbd5209ccb146b5f93c7aeb.pdf

 

Auf in die Küche: die Vorbereitung

Die Früchte habe ich mit einem Messer angeritzt und in zwei Hälften gebrochen. Den Rest könnt Ihr eigentlich auf den Bildern ganz gut sehen.

So schaut sie von innen aus, auch schön!

Links die Matsche aus dem Kerngehäuse und rechts das hellere Fruchtfleisch.

 

Das ganze Kerngehäuse habe ich, zusammen mit etwas Wasser, in eine Schüssel gegeben und so lange massiert, bis das meiste Fruchtfleisch von den Kernen entfernt war. Diese Prozedur kann man einige Male wiederholen, bis die Kerne ganz nackig und sauber sind. Dabei würde ich aber insgesamt nicht mehr als einen viertel Liter Wasser auf eine Frucht verwenden.

Mit Wasser die Kerne vom Fruchtfleisch befreien.

Das hellorangene Fruchtfleisch kann man mit einem Löffel aus der Schale kratzen und direkt in einen Mixer geben. Die Flüssigkeit mit dem abgewaschenen Fruchtfleisch aus dem Kerngehäuse kommt dann hinzu. Jetzt wird alles gemixt. Es entsteht eine attraktive, samtige Masse, die aussieht wie Tomatenmark oder -püree.

Beide Komponenten dann …

… portionsweise gründlich fein mixen.

Ab in einen Topf damit. Wenn es zu breiig ist, noch etwas Wasser hinzugeben. Das Ganze blubbert nun auf kleiner Flamme wenige Minuten.

Nur kurz kochen lassen, dabei stehen bleiben und umrühren.

Die Masse habe ich dann in blitzsaubere Gläser gefüllt und abkühlen lassen.
Jetzt hat man die wertvolle Gacfrucht einsatzbereit im Kühlschrank stehen. Die Gläser halten sich dort bestimmt ein paar Monate (hier fehlt mir noch die Erfahrung).

Fertig und einsatzbereit.

Was tun mit dem gesunden Zeug?

In Smoothies verarbeiten. Besonders lecker ist eine Kombi mit Ananas oder Passionsfrucht. Auf diesem Gebiet lässt sie viel Spielraum für eigene Kreationen. Aber auch in jedes Curry oder in Tomatensoßen passt dieses Mus perfekt. Es federt Fruchtsäure ab und sorgt dadurch für einen runden Geschmack. Natürlich bringt es auch eine fantastische Einfärbung!

Wer kann, sollte jede Gelegenheit nutzen, die Gacfrucht zu konsumieren. Genießen, kann ich leider nicht so einfach behaupten, ohne gacfruchtrot zu werden. Dennoch darf man auch ihre kulinarische Wirkung im Zusammenhang mit anderen Ingredienzien nicht unterschätzen: Sie erdet geschmacklich, optisch erhöht sie jedes Gericht mit ihrer Farbe und im Inneren, da brodeln die Elemente.

 

 

 

Kennst Du den schon? Wat Doi Thaen Phra Pha Luang

Sicherlich, es gibt in Thailand unzählige Tempel. Viele davon sind sehr berühmt. Sie werden in den Reiseführern und Reiseblogs als „must-see“ beschrieben. Eindrucksvoll sind sie alle, jeder auf seine Art. Doch irgendwie erfreuen mich, völlig unerwartet auftauchende Tempel, mit einem gewissen Etwas noch viel mehr. Entdeckerfreude? Überraschung? Vielleicht beides. Man kann ihnen gerade hier im Norden überall begegnen. Tempel, die nirgendwo beschrieben werden, die einfach herumstehen und auf ihre Art ganz Besonders sind. Mal bestechen sie durch ihre versteckte, lauschige Lage, durch eine fantastische Aussicht, durch einzigartige Gebäude, spezielle Aktivitäten oder einfach durch viele verspielte Kleinigkeiten, die es zu entdecken gibt.

Wie dieser hier zum Beispiel: Wat Doi Thaen Phra Pha Luang in San Sai, Chiang Mai. Der Tempel liegt etwas versteckt, wir haben jedenfalls keine weiteren Besucher angetroffen. Es geht über den Highway 1001 aus Chiang Mai kommend, nach der Mae Jo Universität rechts ab. Dann weiter gen Osten, gemütlich über die Dörfer. An einem kleinen, idyllischen See (Huai Cho) kann man wunderbar Rast einlegen. Am See vorbei, kündigt nach wenigen Metern eine große liegende Buddha-Statue bereits den Tempel an. Also weiter hoch und da ist er auch schon. Innen und Außen sind die Gebäude mit winzigen, farbigen Spiegelchen verziert, das glitzert bezaubernd in der Sonne! Unzählige Kleinigkeiten gibt es hier zu entdecken, blinkende, bunte Lüster, Ganeshas, Nagas, duftende Frangipani Bäume und `ne Kindermütze an der Eingangstür.

Damit Ihr Euch ein Bild machen könnt, ein paar Fotos von unserer Zufallsbegegnung.

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai/ Der See Huai Cho
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai/ Der See Huai Cho

 

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai/ Der liegende Buddha
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai/ Der liegende Buddha

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai

Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai
Wat Doi Thaen Phra Chiang Mai

Brizzel, Zisch, Peng: Oooaahhhh

Ganz klar, die Rede ist hier vom Raketenfest. Auf Thai: Bunbangfai (ประเพณีบุญบั้งไฟ). Jedes Jahr, wenn die kleine Regensaison (April, Mai) vorbei ist, wird der Himmel mit Raketen angepiekt, damit auf jeden Fall noch mehr Regen kommt. Der Reis mag es gerne feucht und jetzt ist Pflanzzeit. Bun (Tambun) deutet aber auch auf den religiösen Hintergrund hin. Es geht um die Schaffung von Verdiensten im buddhistischen Glauben. Das Raketenfestival wird hauptsächlich in Nordthailand, im Isaan und in Laos gefeiert.

2016 ist es erst das zweite Mal, dass ich es miterlebe. Bis ich das das ganze System der Aufstellungen, Bewertungen und Wetten verstehe, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Derweil erfreue ich mich am kurzweiligen Drumherum und natürlich am Abschuss der Raketen.

Zu den Raketen. Das sind sehr lange (10-15 Meter), schnurgerade Bambusstangen, an deren dicken Enden Röhren mit Schwarzpulver befestigt sind. Alles selbst gebaut, so will es das Regelwerk. Ebenso die Lunte, mit der dann auch eigenhändig gezündelt wird (mehr darüber bei den Bildbeschreibungen). Die Bambusstangen werden Wochen zuvor ausgesucht und über Feuer vorsichtig gerade gebogen. Ziel des Wettbewerbes ist es, die Stange möglichst hoch und senkrecht, mit einer hübschen Rauchfahne in den Himmel zu schießen. Begleitet wird das Schauspiel von einem Moderator und traditionellem Trommelwerk. Jeder Schuss löst kollektiven Jubel oder auch Gelächter aus. Letzteres quittiert die missglückten Abschüsse. Wobei echte Rohrkrepierer lebensgefährlich für alle Beteiligten werden können. Bereits bei der Mischung des Schwarzpulvers und dem Zusammenbasteln zu Hause ist es schon zu folgenschweren Unfällen gekommen.

Tja, das Spiel mit dem Feuer: Faszination und Fluch. Dazu fließt auch die ganzen Festtage über noch reichlich Feuerwasser. Das wird so emsig konsumiert, dass wir dann, am frühen Abend, lieber nicht mehr im Umkreis verweilen wollen. Frauen sind bei dieser Veranstaltung in der Minderheit und wenn, dann hauptsächlich an den zahlreichen Serviceständen und auf der Bühne aktiv.

Die fertigen Raketen werden von überall aus der Region auf Pickups bis zum Festplatz transportiert ...
Die fertigen Raketen werden von überall aus der Region auf Pickups bis zum Festplatz transportiert …

… das stellt gewisse Herausforderungen an alle Verkehrsteilnehmer. Besonders beim Abbiegen.
… das stellt gewisse Herausforderungen an alle Verkehrsteilnehmer. Besonders beim Abbiegen.

Der Rauch hat sich noch nicht verzogen, da wird schon die nächste Rakete an den Start gebracht.
Der Rauch hat sich noch nicht verzogen, da wird schon die nächste Rakete an den Start gebracht.

Der Transport zur Rampe wird oft musikalisch begleitet.
Der Transport zur Rampe wird oft musikalisch begleitet.

Eine Rakete wird die Rampe hochgeschleppt.
Eine Rakete wird die Rampe hochgeschleppt.

Das obere Ende wird vorsichtig an einem Seil senkrecht heruntergelassen.
Das obere Ende wird vorsichtig an einem Seil senkrecht heruntergelassen.

Schließlich wird aus dem kleinen Häuschen oben unter der Rampe gezündelt. Ab dafür ...
Schließlich wird aus dem kleinen Häuschen oben unter der Rampe gezündelt. Ab dafür …

So sieht dann eine gelungene Flugbahn aus. Wie hoch? Ich weiß nicht, wie das festgestellt wird.
So sieht dann eine gelungene Flugbahn aus. Wie hoch? Ich weiß nicht, wie das festgestellt wird.

Dicht dabei, steht man unten im Rauch.
Dicht dabei, steht man unten im Rauch.

Hier ein Einblick ins System. Knapp 300 Raketen starten bei diesem Wettbewerb.
Hier ein Einblick (ohne Durchblick) ins System. Knapp 300 Raketen starten bei diesem Wettbewerb.

Derweil sitzt das Publikum ...
Derweil sitzt das Publikum …

... überall irgendwie herum und amüsiert sich.
… überall irgendwie herum und amüsiert sich.

oder man steht herum ...
oder man steht herum …

... steht, guckt und hat es schattig unterm Schirm.
… steht, guckt und hat es schattig unterm Schirm.

Ein Teil des akustischen Rahmenprogramms. Dies hier ist eher traditionell.
Ein Teil des akustischen Rahmenprogramms. Dies hier ist eher traditionell.

Ganz modern dann bei Live-Musik auf der Tanzbühne. Nur gut, dass die Mädels nicht die Raketenrampe hochlaufen müssen.
Ganz modern dann bei Live-Musik auf der Tanzbühne. Nur gut, dass die Mädels nicht die Raketenrampe hochlaufen müssen.

Ein weiteres Rahmenprogramm: Unverzichtbar bei jeder Veranstaltung ist eine reiche Auswahl an Speisen.
Ein weiteres Rahmenprogramm: Unverzichtbar bei jeder Veranstaltung ist eine reiche Auswahl an Speisen.

Für Veganer, Vegetarier und Co ist das Angebot übersichtlich.
Für Veganer, Vegetarier und Co ist das Angebot übersichtlich.

Buddha, Büffel, Kannibalen

Manchmal ist Zuspätkommen gar nicht so schlecht. Zwar sichert rechtzeitiges Erscheinen die besten Plätze, doch dieses frühe Treiben aus nächster Nähe zu beobachten, war speziell für mich dann doch nicht so wichtig. Jedenfalls, um es kurz zu machen, der Büffel war schon tot als wir ankamen.

 

Der tote Büffel, ausgeweidet und hergerichtet für das Medium.
Der tote Büffel, ausgeweidet und hergerichtet für das Medium.

 

Es bot sich folgendes Bild bei unserer Ankunft um halb zehn (Beginn der Veranstaltung war um 7 Uhr): Eine große Lichtung, drumherum schöne alte Bäume. Am Rand saßen Mönche auf ihren Positionen. Aus den Lautsprechern tönte kraftvoll ihr meditativer Gesang. Auf einer Plane in der Mitte lag der tote Büffel. Drumherum reges Treiben, hauptsächlich Einheimische aus der näheren Umgebung. Über tausend waren es bestimmt. Wer nicht gerade fotografierte, aß oder trank, hatte die Hände zum Wai gefaltet.


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Letzten Samstag war wieder der Vollmondtag des 7. lunaren Monats. An diesem Tag findet jedes Jahr in Chiang Mai, am Fuße des Wat Phratathat Doi Kham, Mae Hia, im National Park Doi Suthep Pui eine in Thailand einzigartige Zeremonie statt: Ling Pee Phu Sae Ya Sae. Eine Opferzeremonie für die gigantischen Geister Phu Sae und Ya Sae, gewissermaßen ein Ehepaar. Doch dazu später. Dies ist kein thailändisches Brauchtum, sondern geht zurück in die Lanna Zeit, genauer, es ist ein Ritual der Lawa, ein altes Bergvolk aus Nordthailand.

 

27 Tänzerinnen symbolisieren die Töchter des gigantischen Geisterpaares. Sie sollen die beiden gnädig stimmen.
27 Tänzerinnen symbolisieren die Töchter des Geisterpaares. Sie sollen die Beiden gnädig stimmen.


Es begab sich also, dass Buddha bei seinen Reisen dieses Gebiet durchstreifte. Er traf auf ein finsteres Volk, das sich nicht scheute, für eine gute Ernte den ein oder anderen Menschen über die Klinge springen zu lassen. Also zu opfern. In manchen Erzählungen geht es sogar um Kanibalismus. Buddha, als Fremder, schien ein willkommenes Opfer. Doch er predigte zu den Einwohnern und versuchte, ihnen das Versprechen abzuringen fortan lieber keine Lebewesen mehr zu töten. Die Familie, mit der er sprach war das Ehepaar Phu Sae und Ya Sae. Sie handelten ihn herunter. Bald einigte man sich darauf, wenn schon keinen Menschen mehr, dann doch wenigsten einen Büffel töten zu dürfen. Der Sohn der Eheleute schloss sich jedoch Buddha an und wurde als Mönch zum Gründer und Schutzpatron von Wat Doi Suthep. Um die hungrigen Geister bis heute bei Laune zu halten, damit sie nicht in alte Gewohnheiten zurückfallen, bietet man den Beiden jedes Jahr einen Büffel als Opfer an.

Das Medium, Rang Song trinkt und bringt sich in Trance für den Kontakt mit Puh Sae und Ya Sae.
Das Medium, Rang Song trinkt und bringt sich in Trance für den Kontakt mit Phu Sae und Ya Sae.

 

Was wir dann noch mitbekommen haben, ist auf den Fotos ganz gut zu sehen. Nach den Rezitationen wurde ein alter, gebeugter Mann zum Büffel geführt. Der Rang Song, gewissermaßen das Medium, durch das die beiden Geister gespeist werden. Er nimmt auf dem Büffel Platz, isst rohes Fleisch, trinkt Hochprozentiges und wiegt sich auf dem Büffel in Trance. Satt und einigermaßen nicht mehr von dieser Welt, wird er zu einem Baum geführt, den er mühsam ein stückweit erklimmt. Warum genau, das habe ich noch nicht herausbekommen. Es könnte sein, dass er dort als Medium den beiden Geistern berichtet, ob alles in Ordnung gewesen sei. Währenddessen wird ein Bild Buddhas, das in einem Baum hängt heftig geschaukelt, um die Geister an ihr Versprechen gegenüber Buddha zu erinnern. Danach macht der Rang Song eine Runde, am Zaun längs. Gegen einen kleinen finanziellen Obolus  werden die Personen direkt am Zaun vom Rang Song berührt. Wieder ein Jahr gute Ernte und ein Leben in Sicherheit für die Einwohner von Mae Hia.


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Im Hintergrund ist das Bild Buddahs zu sehen. Zur freundlichen Ermahnung an das Versprechen schaukelt es an einem dicken Ast.
Im Hintergrund ist das Bild Buddahs zu sehen. Zur freundlichen Ermahnung an das Versprechen schaukelt es an einem dicken Ast.

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Neues aus Eierland

Sie sind schneeweiß, dreckigweiß (= stark bekackt), braun, rosa oder gesprenkelt. Winzig klein bis ziemlich groß. Gealtert, fermentiert, gesalzen, roh, gegrillt, frittiert und aufgespießt. Die Erzeugerinnen haben alle Federn, bis auf die Ameisen, logisch.

Der letzte Eierartikel auf genugda  ist vom April 2012. Meine Erfahrungen mit der Eier-Kulinarik in Thailand waren noch arg begrenzt. Inzwischen habe ich einiges mehr in Sachen Eier gesehen, zubereitet und probiert. Zeit, meinen Zwischenstand mit Euch zu teilen. Damit auch Ihr staunen könnt, was sich jenseits von wachsweich gekochten Hühnereiern und Kartoffeleiernestern  in der Eierszene abspielt. Zum Beispiel in Südostasien. Viele Eiervariationen, auf die man hier im Norden Thailands trifft, haben ihren Ursprung in China oder sind Koproduktionen mit den Einwohnern aus Myanmar und Laos.

Im Uhrzeigersinn: hundertjährige Eier, gesalzene Enteneier, Hühnereier und Enteneier
Im Uhrzeigersinn: hundertjährige Eier, gesalzene Enteneier, Hühnereier und Enteneier

Na dann folgt mir mal in die abwechslungsreiche, thailändische Eier-Welt. Heute gibt es profane braue Hühnereier; weiße, aber heftig mit Kot beschmutze Enteneier; weiße, saubere, rohe und in Salzlake gelagerte Enteneier; rosafarbene, alte, sogenannte hundertjährige Eier; kleine, lustig gesprenkelte Wachteleier und noch viel kleinere Ameisen-„Eier“.

Hundertjährige Eier, Khai Yioua Maa

Geklärt hatten wir vor ein paar Jahren bereits, dass diese Eier nur ein paar Monate und niemals hundert oder gar tausend Jahre alt sind. Khai Yioua Maa heißen sie in Thailand, das heißt so viel wie Pferdepisse-Eier. Pferdepipi kommt aber in der Rezeptur nicht vor. Es geht die Sage, dass einst jemand alte Eier im Stroh eines Pferdestalls gefunden, probiert und für gut befunden hat.

In China werden sie aufgrund ihrer Konsistenz Pidan, Ledereier, genannt. Für diese „Garmethode“, Fermentierung, werden in der Regel Enteneier verwendet. Sie liegen drei bis vier Monate lang in einer alkalischen Mischung. Heute liest sich die Liste leider oft wie eine chemische Formelsammlung. In Handarbeit wird dafür eine Paste aus Soda, Kalkerde, Salz, Asche, Teeblätter und Reisspelzen hergestellt. Wobei die Zutaten stark variieren können. Im Netz habe ich irgendwo gelesen, dass diese rosafarbenen Eier ihre Farbe durch die Lagerung erhalten. Das stimmt natürlich nicht! Sie werden rosa eingefärbt, um sie besser von anderen Eiern unterscheiden zu können. Warum gerade rosa? Könnte ja sein, dass dieser Eier-Erstfinder, damals an einem Dienstag im Pferdestall unterwegs war. In Thailand ist der Dienstag Rosa (auch darüber gibt´s schon was auf genugda). Aber, vergesst das am besten schnell wieder. Im digitalen Weltennetz wird schon genug herumgeeiert. Sie sind eben rosa hier, punkt.

Hundertjährige Eier, Pferdepisseeier, Khai Yioua Maa
Hundertjährige Eier, Pferdepisseeier, Khai Yioua Maa

Noch immer will keine spontane Begeisterung bei mir aufkommen, wenn sie frisch abgepellt und aufgeschnitten ihren leichten Ammoniak Geruch verströmen. Es gibt aber ein Gericht mit Khai Yioua Maa, dass ich inzwischen sehr gern esse: Khai Yioua Maa kaprao Grob. Die Eier werden dafür geviertelt, in Mehl gewälzt und frittiert. Ebenso frittiert werden reichlich Blätter vom Thaibasilikum (meistens Tulsi, Indisches Basilikum). Parallel wird mit Knoblauch, Chili, Austernsoße, dunkler und heller Sojasoße gewokt. Wer mag, fügt Schweinemett hinzu. Dann alles mischen, die frittierten Eierstücke dazu geben und die fragilen, knusprigen Basilikumblätter großzügig oben drauf verteilen. Richtig lecker!

Khai Yioua Maa Kaprao Grob
Khai Yioua Maa Kaprao Grob

Khai Kem, gesalzene Eier

Geradezu profan dagegen scheinen die Krai Kem. Diese Enteneier leuchten schneeweis und liegen meistens neben den rosafarbenen Eiern. Sie wurden lediglich drei Wochen lang in eine gesättigte Salz-Wasserlösung gelegt. Aber roh! Daher nicht sofort aufschlagen, sondern erst kochen, gute zehn Minuten. Das Eigelb ist fast schon rot und ergibt einen schönen Kontrast zum schneeweißen Eiweiß. Man nimmt gerne Enteneier, weil sie ein größeres Eigelb haben, überhaupt, weil sie größer sind. Das funktioniert natürlich auch mit Hühnereiern. Mit dieser Zubereitungsart bekommen die Eier auch ihre schöne Konsistenz und Farbe. Sie schmecken als einfache Beigabe zum Grünen Curry oder zu scharfen Reisgerichten. Auch im Salat sind sie eine Bereicherung, zum Beispiel im Som Tam Khai Kem oder als scharfer Yam Khai Kem. Übrigens, die stark mit Kot verschmierten weißen Eier, die oft neben den schönen, weißen und rosafarbenen Eiern zum Verkauf angeboten werden, sind ebenfalls Enteneier. Sie sind roh und frisch (im besten Fall). Vielleicht werden sie nicht gewaschen, damit man sie nicht mit den gesalzenen Eiern verwechselt, statt rosa eben bekackt.

Gesalzene Enteneier, sehr lecker zu vielen Gerichten
Gesalzene Enteneier, sehr lecker zu vielen Gerichten

Khai Songkrüang (Lao: Kai Paeng), gegrillte Eier am Spieß

„Wie kommen die Eier auf den Spieß?“ Da liegen drei, in diesem Fall eindeutig Hühnereier, der Länge nach auf einen Holzstab gespießt auf dem Grill. Wie kann das denn? Erst kochen dann durchpieken und grillen? Wo ist der Sinn? Erst aufspießen, dann grillen? Eher nicht. – Das funktioniert folgendermaßen:

Da liegen sie, die aufgespießten Hühnereier
Da liegen sie, die aufgespießten Hühnereier

– Ein Hühnerei an der Spitze vorsichtig anklopfen und ein ungefähr 1,5 cm großes Loch frei knibbeln
– Mithilfe eines Holzspießes den Inhalt in eine Schüssel glitschen lassen
– Die Eimasse mit Sojasoße, Austernsoße und schwarzem Pfeffer nach Geschmack würzen
– Mixen bis die Masse flüssig ist und nicht mehr so glibbert
– Mit ruhiger Hand wieder in die leeren Eihüllen hineinschütten
– Jetzt aufrecht dünsten und stocken lassen (ungefähr 8 Minuten)
– Drei Eier der Länge nach aufspießen und ab auf den Holzkohlegrill

und so schaut´s von innen aus
und so schaut´s von innen aus

All das macht eine Menge Arbeit. Selbermachen lohnt sich eher nicht. Die Exemplare, die auf den Märkten angeboten werden, haben mich bisher geschmacklich nicht umgehauen. Klar, es kommt auf die Würzmischung an und zumindest sieht es lustig aus, so ein Ei ohne Dotter. Dieser Snack wird mit einer süßscharfen Chilisoße gereicht.

Khai Nok kratha, Wachteleier

Diese kleinen, hübschen Eier sind in Thailand weit verbreitet. Gekocht, frittiert und gebraten sind sie allgegenwärtig auf den Märkten. Dazu ein Tütchen Sojasoße und schnell sind zehn Exemplare verputzt. Rein kulinarisch sehe ich da keine Vorteile gegenüber Hühner- oder Enteneiern. Weil Ostern ist und ich ein paar Wachteleier für meine Eierrecherche gekauft habe, werde ich sie heute pochiert in meine Brokkolisuppe hineingeben. Zu den Wachteleiern muss ich noch anmerken: Die Innenhaut ist recht zäh. Mal eben aufschlagen, läuft nicht. Wenn Ihr sie für Spiegeleier oder zum Pochieren aufschlagen wollt, dann ritzt die Schale oben rundherum mit einem scharfen Messer ein, brecht es vorsichtig auf und lasst den Inhalt in ein kleines Gefäß gleiten.

Wachteleier: richtig hübsch, ganz ohne anzupinseln
Wachteleier: richtig hübsch, ganz ohne anzupinseln

Khai Mod Daeng, Ameiseneier

Man braucht nicht lange Ausschau halten, bis man ein Ameisennest im Baum entdeckt
Man braucht nicht lange Ausschau halten, bis man ein Ameisennest im Baum entdeckt

Ja, wir steigern uns. Also morphologisch gesehen eher umgekehrt. Kaum einen Zentimeter groß sind die Larven der roten Ameisen (Weberameise, Oecophylla smaragdina), die hier als Delikatesse gelten. Ja, es sind eher die Larven und nicht die Eier, die gesammelt und in Gerichten verarbeitet werden. Warum dann hier, in einem Eierartikel? Ganz einfach. Es gibt in Nord- und Nordostthailand ein traditionelles Rühreigericht, Khai Pam. Dafür wird ein Hühnerei, ähnlich unserem Rührei, mit Kräutern und Sojasoße gewürzt. Diese Eiermischung kommt in kunstvoll gefaltete Bananenblattschiffchen und wird auf dem Grill gegart, lecker! Gerne mischt man hier noch zusätzlich diese Ameisen-Larven unter. Ich habs probiert: Sie bringen etwas Säure ins Geschehen und poppen im Mund. Womit wir wieder bei der oralen Haptik wären. Ein Mundgefühl, dass neben Gewürzharmonie und Schärfe für Thailänder eine wichtige Rolle spielt.

traditionelles Rührei ohne ...
traditionelles Rührei ohne …

... und mit Ameisenlarven
… und mit Ameisenlarven

Hier kann man die kleinen weißen Larven erkennen
Hier kann man die kleinen weißen Larven erkennen

So werden die Wachteleier auf den Märkten gebraten und als Snack verkauft
So werden die Wachteleier auf den Märkten gebraten und als Snack verkauft

Kleine thailändische Eierkunde:
Khai Ped – Enteneier
Khai Nok Kratha – Wachteleier
Khai dao – gebratenes Ei
Khai Pam – gegrilltes Rührei in Bananenblattförmchen (Nord-, Nordost Thailand)
Khai Jiao – würziges Omelett mit unterschiedlichen Zutaten
Khai luuk Kheuy – Frittierte hart gekochte Eier mit süßer Tamarindensoße und Zwiebeln („Sun in low eggs“)
Khai Yioua Maa – Hundertjährige Eier
Khai Mod Daeng – Ameiseneier (bzw. Larven der roten Ameisen)

Pok pok pok, großes Thai-Kino: Som Tam

My favorite ingrediences for Papaya salad
My favorite ingrediences for Papaya salad

Immer wenn Ihr ein hohles, hölzernes “pok pok pok” in Thailand hört, bereitet jemand gerade einen köstlichen Salat zu. Egal ob in Zentralthailand oder im Norden Thailands, Som Tam, ein scharfer Papayasalat, ist allgegenwärtig. Ein spritziges Fast- und Street-Food, das mal wieder gustatorisch und oral-haptisch die volle Bandbreite bietet. Wie so oft, in der thailändischen Küche.
Gleich einem Trailer, hier fürs Gaumenkino, möchte ich Euch alle Darsteller, inkl. der deutschen Besetzungsalternativen, einmal vorstellen:

Hauptdarsteller …

… und zugleich unwesentlicher Geschmacksträger, dennoch alle Geschmacksrichtungen tragend: eine unreife Papaya. In Deutschland kaum zu bekommen. Als Alternative könnte ich mir eine große Zucchini oder vielleicht auch Weißkohl vorstellen. Die Papaya jedenfalls wird geschält und in kleine Streifen geraspelt.

Komparsen (hier: Zutaten)

Bevor es ans Set geht, ist es hilfreich, alle Akteure um sich versammelt zu haben:

– junge Knoblauchzehen (ungeschält, ältere geschält)
– Chilis
– Palmzucker (Honig)
– Fischsauce
– Limetten
– (frisch) geröstete Erdnüsse
– getrocknete Krabben
– Tomaten
– Longbeans (roh; Alternative schwierig, evtl. ganz kurz blanchierte Kaiserschoten; könnte mir auch rohen, dünnen, grünen Spargel oder Thaispargel vorstellen)

Gerade im Norden Thailands werden gerne schwarze, fermentierte Krabben (Poo, ปู) und Gapi, eine Garnelenpaste hinzugefügt. Das mag jeder halten, wie er möchte. Während Gapi (กะปิ) mir noch einen gewissen Kick geben kann, scheitere ich an diesem schwarzen Krabbengetier, das mit samt der Schale im Mörser landet. Vom Gefühl her, wie Rührei mit Eierschalen …

Papaya salad can be done prestigious like he, no... she does
Papaya salad can be done prestigious like he, no… she does or …

... like she does every saturday on Sankamphaeng Walking Street.
… like she does every saturday on Sankamphaeng Walking Street.

Zubereitung

Das „Making of“, dieses kulinarischen Films (das zieh ich jetzt durch) ist denkbar einfach und geschieht portionsweise. Das ist allein deshalb schon wichtig, weil so jeder seinen eigenen Schärfegrad bestimmen kann. Von null bis acht oder mehr Chilis pro Portion ist alles möglich.

Die Szene spielt sich traditionell in einem hohen Tonmörser mit Holzstößel ab. Eine moderate Mischung wäre: 4 bis 6 kleine Knoblauchzehen und die gewünschte Chilimenge mörsern. 1 El Palmzucker, 2 EL Fischsoße und 2 EL Limettensaft dazugeben, mörsern und mischen. Erdnüsse und getrocknete Krabben hinein, mörsern und wieder gut vermengen. 1 Tomate, in kleine Stücke und die Longbeans , ungefähr Streichholzlänge, dazu geben und leicht anstößeln(?). Äh sagt man das so? Auf jeden Fall sollte die Regie da nicht alles zu Mus mörsern. Erst zum Schluss kommt eine gute Handvoll Papaya Schnitzel mit hinein und wird sorgfältig mit den Zutaten vermengt. Das funktioniert gut mit den Requisiten, langer Löffel und Holzstößel.

Der Film, das Ergebnis und (vielleicht) gut zu wissen

Bereit zur ersten und einzigen Aufführung ist: ein köstlicher, exotischer, ölfreier, gesunder und der Verdauung recht förderlicher Salat! Die Feinheiten sind unbedingt auf den persönlichen Geschmack abzustimmen. Man kennt das ja, der eine mags nicht so süß, nicht so scharf, der andere nicht so sauer und ein Dritter mag ihn gar nicht. Dieser Dritte (Mann, -nee ist ja gut jetzt, ich hör auf damit) ist mir aber bisher noch nicht begegnet.

Som Tam (Thai: ส้มตำ) stammt ursprünglich aus Laos und dem Gebiet des Isaan, nordöstliches Thailand. „Som“ heißt so viel wie sauer und „Tam“, zerstoßen. Weitere Namen sind Papaya pok pok sowie in Lao und im Isaan Tam Mak Hung (Thai: ตำหมากหุ่ง, Lao: ຕຳໝາກຮຸ່ງ).

Wer in Thailand Som Tam Thai bestellt, kann sicher gehen, dass sich im Salat keine schwarzen Krabben tummeln. Auch Karottenschnitzel können mit dabei sein. Som Tam Mamuang ist der gleiche Salat, nur mit unreifen Mangos statt Papaya. Genau so lecker.

 step by pok pok pok by step by pok pok by step by pok, that´s it
step by pok pok pok by step by pok pok by step by pok, that´s it

Som Tam finally on my plate!
Som Tam finally on my plate!

Zwei Tage Doi Inthanon

Dieses Mal mit festem Schuhwerk und einer Übernachtung in einem Karen-Dorf (Doi Inthanon National Park auf vier Rädern und in Flip-Flops). Karen, bekannt? In Kürze: Die Karen zählen in Burma und (hauptsächlich) im Norden Thailands, mit über 250.00 Menschen, zu einer der größten ethnischen Bergvölkergruppe. Sie leben von der Landwirtschaft, kleiner Viehzucht und sie weben farbenfrohe Baumwollstoffe, woraus sie ihre typische Bekleidung schneidern. Das allein ist schon wieder einen Artikel wert (kleine Stütze, zur Erinnerung für mich).

Every glance out of a window or behind a crossways you´ll meet a beautiful scenery at Doi Inthanon!

Wie schon vor vier Jahren, war es auch jetzt wieder Noi (Noi on Facebook), die es uns als Guide ermöglicht hat, jenseits der touristischen Pfade im Wald und längs der Wasserfälle umherzustreifen, die Natur zu genießen. Charly und seine Frau, Boon Sri, haben uns für zwei Tage „aufgenommen“. Wir konnten ihre Fürsorge genießen. Das Schönste daran war, dass ich zu keiner Zeit das Gefühl hatte, durch unsere Anwesenheit großartig in ihr Leben einzugreifen. Alles was sie taten, schien ohne Hast, ohne Last und nur im Jetzt stattzufinden. Auch eine Zeremonie im Dorf, an der wir teilhaben durften, fand auf eine ergreifende Art und Weise einfach statt. Nachbarn luden uns in ihre Häuser ein. Geweihte Baumwollfäden fanden unsere Handgelenke und Selbstgebranntes unsere Kehlen. Glück strömte so durch alle Pforten. Beide Seiten schienen Spaß am gegenseitigen Beschnuppern zu haben.

Happiness comes, evil spirits will go ...
Happiness comes, evil spirits will go …

… and this are the ingrediences: cotton thread and genie

 

... not to forget the typical snacks.
… not to forget the typical Snacks.

Ihr Leben in den Holz-Bambus-Hütten, seit 6 Jahren mit Elektrizität, ist einfach. Schweine und Hühner tapsen rund ums Haus. Es gibt Land, dass mit Reis, Tomaten, Zwiebeln oder Blumen bewirtschaftet wird. Gekocht wird mit offenem Feuer, geschlafen auf dem Bambusboden. Doch nicht für eine Sekunde ist mir der Gedanke gekommen, diese Familie, dieses Dorf, lebt in Armut. Im Gegenteil, ich spürte die ganze Zeit über leise Bewunderung für die zufriedene Selbstverständlichkeit, die von jedem Handgriff und jedem Lächeln ausging.

The alarm-clock is set about 4 am, for sure.
The alarm-clock is set about 4 am, for sure.

Slightly later breakfast is prepared in the kitchen.
Slightly later breakfast is prepared in the kitchen.

Ich wünsche, dass Noi mit ihrem Business als Guide und auch Charlies Familie, mit gelegentlichen Besuchern, eine gegenseitige Bereicherung erfahren. Doch möge es niemals, absolut nie, nie zu einem Hype werden. Mögen sie niemals ihre Hütten für westliche Gäste all zu komfortabel herrichten, niemals ihre Dorfstraße ausbauen, möge niemals ein 7/11 dort seine Pforten öffnen!

genugda-Doi-Inthanon-wasserfall
How deep is the water, can we pass easy or do we have to swim?

genugda-Doi-Inthanon-Tiger-Balm
From the rind of this tree they make the famous tiger balm. Lovely, strong smell!

genugda-Doi-Inthanon-Spielzeug
Every step a plant or tree from which you can eat something or just make funny toys or deco with.

 

Yeah, eating again! Tasty BBQ on the way …

... marinaded chicken and pork with rice- and pad thai-packages on bananaleaf-table and seat.
… marinaded chicken and pork with rice- and pad thai-packages on bananaleaf-table and seat.

 

Not to forget, everywhere my beloved giant trees
Not to forget, everywhere my beloved giant trees

In Thailand Longans ernten, essen und erleben

Longan: leckere, kleine Kügelchen, die es in sich haben
Longan: leckere, kleine Kügelchen, die es in sich haben

Die ersten Longans werden in Nordthailand jetzt, im Juli geerntet. Im August gibt es noch einmal eine späte Sorte. Ach ja, Longans, nie gehört? Kein Wunder, selbst unter den Exoten der Obst- und Gemüseabteilungen großer Supermärkte oder in asiatischen Geschäften wird man sie in Deutschland kaum entdecken. Ich habe sie jedenfalls erst in Thailand kennen- und lieben gelernt. Longans sind kleine gelb-beige Kügelchen. Ein leichter Druck, die dünne Schale platzt auf und eine weißliche, saftig-süße Kugel mit einem harten Kern in der Mitte, kommt zum Vorschein. Der Geschmack lässt sich noch am ehesten mit dem einer Litschi vergleichen, ist aber doch anders. Hier in Thailand heißen sie lamyai (ลำไย). In Europa sagt man auch Drachenauge-Frucht oder Dragoneye-Fruit.
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Ein Festival der Longans

Chiang Mai Longan Festival: wer hat die Schönsten?
Chiang Mai Longan Festival: wer hat die Schönsten?

Longans wachsen an immergrünen Bäumen aus der Familie der Seifenbaumgewächse. Plantagen findet man in Südostasien nur in lokal begrenzten Gebieten, besonders im Norden Thailands um Chiang Mai, Lamphun und Chiang Rai herum. Aber auch in Südchina, Vietnam und Taiwan werden sie angebaut. Die lokale Nachfrage, besonders in China ist so groß, dass diese Früchte in frischer Form gar nicht weiter exportiert werden.
Jedes Jahr, in der zweiten Augustwoche, wird in Lamphun ein großes Longan-Festival gefeiert. Auch in Chiang Mai gibt es Anfang August einige Festtage rund um die leckeren Kügelchen. An vielen Ständen am Thapae Gate kann man dann Longans sehen, riechen und verkosten. Es werden Preise für die schönsten, leckersten und größten Früchte verliehen. Hier wird ausgestellt, was alles aus dieser Frucht gemacht wird. Besonders gut schmecken sie mir getrocknet ohne Kerne und natürlich am besten, frisch! Es gibt Säfte, Brände, Marmeladen, Cremes, Kapseln und Lotionen.

Gesunde Kost

Longan Forschung: Die besten Anbaumethoden - Was steckt drin und was lässt sich daraus machen?
Longan Forschung: Die besten Anbaumethoden – Was steckt drin und was lässt sich daraus machen?

Selbstverständlich sind die Longans auch gesund und wie! Ihr guter Mix aus Vitamin C, Magnesium, Kalzium, Eisen und diversen sekundären Pflanzenstoffen soll sich besonders positiv auf das Immunsystem und auf die Serotoninbildung auswirken. Also richtig gesunde Gute-Laune-Kügelchen.

Longan Ernte

Wen es hier zur Erntezeit einmal in die Gegend der Provinzen Lamphun oder Chiang Mai verschlägt, dem kann ich eine Tour mitten durch die Longan Plantagen nur empfehlen. Meistens verlaufen sie weitläufig rechts und links von kleinen Wasserkanälen. So zum Beispiel auf einer Nebenstrecke von Sankamphaeng aus nach Lamphun. Von der Straße aus sieht man die einfachen Stiegen über die Bäume herausragen und dann hört man auch schon munteres Geplapper. Es ist interessant, die geschickten Pflücker bei der Arbeit zu beobachten. Obendrein hatten wir, trotz einiger Sprachbarrieren, auch noch jede Menge Spaß mit der freundlichen Ernte-Truppe. Natürlich gab es dazu Longans satt. Vielleicht ist ja doch was dran und die Longans treiben den Serotonin-Spiegel in die Höhe. Jedenfalls sind wir nach einiger Zeit bestens gelaunt und beschwingt weiter gezogen.

Verwechslung möglich

Oberflächlich kann man sie leicht mit den Langsat- oder auch Longkong-Früchten verwechseln. Ebenfalls gelbe Kügelchen. Diese sitzen aber dichter zusammen, die Schale ist weicher und das Fruchtfleisch in Kammern aufgeteilt. Sie wachsen am Lansibaum, ein Baum aus der Familie der Mahagonigewächse. Die Ernte ist erst im Oktober und die Plantagen mehr im Süden Thailands und ganz besonders viele auf den Philippinen.

Seine Kollegen nennen ihn bewundernd " Monkiie", weil er so flink in die Bäume klettert
Seine Kollegen nennen ihn bewundernd “Monkiie”, weil er so flink in die Bäume klettert

Die Frauen zupfen die Kügelchen von den Ästen
Die Frauen zupfen die Kügelchen von den Ästen

Nachschub, frisch geerntete Äste


Aha, hier wird geerntet, also schnell hinein ins Grün
Aha, hier wird geerntet, also schnell hinein ins Grün

... denn wo geerntet wird, da geht es meistens sehr gesellig zu
… denn wo geerntet wird, da geht es meistens sehr gesellig zu